Spiel 6: Sieg Nummer sechs

Ein knisternder Ofen, ein spätes Glas Weiswein, der Sohn übernachtet bei Oma und Opa. Was bislang als angenehmer Abendausklang galt, ist ab sofort überholt. Was noch fehlt, um von einem perfekten Abend zu sprechen, sind sechzig Minuten Steven-Reinprecht-Eishockey.

Die Fakten: Sechstes Spiel, sechster Sieg, heute Abend mit 2:1 (1:0, 1:1, 0:0) gegen die Straubing Tigers. Die Ice Tigers bleiben an der Tabellenspitze und haben heute Abend bewiesen, dass sie auch schwere Spiele können.

Spruchreif I: „Aaach!“ (Tray Tuomie schüttelt in der Pressekonferenz leicht genervt mit dem Kopf, als es heißt, er sehe neuerdings nicht mehr nur aus wie Chuck Norris, sondern seine Punktausbeute lasse erahnen, sein Team würde vom echten Chuck Norris trainiert)

The Good: Steven Reinprecht. Steven Reinprecht. Steven Reinprecht. Als ich den Kollegen (der sonst immer hier bloggt und über die Ice Tigers schreibt, aber heute mal frierend am Rand eines Amateurfußballspieles stand, wo sonst immer der Kollege, der gerade hier bloggt und über die Ice Tigers schreibt, seine Nachmittage verbringen muss) am Telefon bitte, ein Steven-Reinprecht-Foto zum Artikel zu stellen, hat dieser es längst gemacht. Er hat vermutlich Twitter verfolgt, wo irgendwann dieser Tweet auftauchte: „Was macht denn der Reinprecht da?! Wieder so ein wahnsinniger Rückhandschuss unter die Latte. Sensationell!“ Eine SMS hatte ich Mitte des zweiten Drittels schon an den Kollegen auf den Sportplatz geschickt: „Unglaublich, dieser Steven Reinprecht!“ Jetzt bitte ich ihn, auf die Titelseite, in den Lokalsport, ins Feuilleton, in die Wirtschaft und in die Politik, einfach überall, wo noch Platz ist, ein weiteres Bild von Reinprecht zu stellen. Einfach so. Vielleicht kann man ja auch die Wetterkarte und die Börse mit einem Reinprecht-Bild illustrieren?

The Bad: „Es war unser schlechtestes Spiel heute“, fand Trainer Tray Tuomie. Das ist so aber nicht ganz richtig, denn der Gegner war auch mit der unangenehmste. Bissig in den Zweikämpfen, immer am Rande der Legalität (und ab und an auch darüber hinaus) und zwischen den Pfosten mit einem unfassbar starken Jason Bacashihua. Ohne den US-Boy wäre die Partie nach dem ersten Drittel schon entschieden gewesen. Auch wenn die Defensivreihen arbeiteten, wie die Wilden. Eines ist klar: Wenn die Security fürs Festzelt des Gäubodenfestes mal ausfallen sollte, kann man getrost die Straubinger Eishockeymannschaft einsetzen. Und an der Schnapsbar, bei den ganz üblen Jungs, schiebt Sandro Schönberger Dienst. Was wohl auch Tray Tuomie so ähnlich gesehen hat. Für den Tigers-Coach war das 2:1 über Straubing „unser wichtigster Sieg bisher“.

And the Ugly: Sandro Schönberger. Sandro Schönberger. Sandro Schönberger. Shame on him, dass er auch noch als Kapitän mit schlechtem Beispiel voran geht. Ein böser Crosscheck auf dem Weg von der Bank aufs Eis in den Rücken von Yasin Ehliz, der gerade auf die Bank will. Eine minutenlange Diskussion mit den Unparteiischen nach einer Strafe gegen sich – Sandro Schönberger, ab an die Schnapsbar!

Spruchreif II: „Und er, er sieht aus wie James Bond!“ (Tray Tuomie zeigt in der Pressekonferenz auf den Straubinger Coach Dan Ratushny)

Unsung three stars: Patrick Reimers Leistung ist, obwohl als dritter offizieller Star ausgezeichnet, mehr Wert, als es ein third star ausdrücken kann. Ungemein aggressiv in den Zweikämpfen mit unzähligen Scheibengewinnen im  Angriffsdrittel – so gab der Kapitän die Richtung vor. Und er bereitete zudem beide Treffer vom phänomenalen Reinprecht (hab‘ ich schon erwähnt, dass er fantastisch spielt?) vor. „Wir haben als Team gut gespielt, und, ganz ehrlich, wenn mich Reimi so toll anspielt, muss ich doch nur noch die Kelle hinhalten“, lobte Reinprecht, der Kapitän-Assistent. Reimer selbst hatte die Chance, sich immerhin mit einem Tor zu belohnen. Er zielte aber in den Schlusssekunden auf dem Weg zum leeren Tor vorbei. „So etwas kommt vor, zum Glück war es nicht ausschlaggebend heute“, fand er. Denn: „Wir hatten ja einen Reinprecht, der hat heute den Unterschied gemacht.“ Stimmt. Aber nicht nur der, auch Du, Patrick Reimer!

Spruchreif III: „Und jetzt kommt München, die dürfen wir nicht unterschätzen. Die haben einen starken Torwart…“ (Patrick Reimer, angesprochen aufs Mittwochspiel)

Und sonst? Bleibt zu hoffen, dass die Verletzung von Yan Stastny nicht schlimmer ist, auch wenn man fast schon davon ausgehen muss. „Ich habe noch keine Diagnose, aber es sah nicht gut aus“, meinte Tray Tuomie. Mehr wollte er nicht verraten, nur, dass es sich um eine „Beinverletzung“ handele. Heute fiel es glücklicherweise nicht so ins Gewicht, aber man kann schließlich  nicht jeden Tag erwarten, dass der 36-jährige Reinprecht einen Sahnetag erwischt und die Kohlen aus dem Feuer holt. Man muss es aber hoffen. Obwohl: Wenn das so wäre, liebe Freunde, wäre die Saison langweilig. Denn wer soll die Tigers denn dann schlagen?

Spruchreif III: „Wenn Reinprecht bleiben sollte, dann nur als Deutscher und als Lehrmeister für die Youngster in der Reihe 4. Sonst wäre er meiner Meinung nach ne verschenkte Ausländerlizenz“ (moosbüffel auf dem Hockey-365-Forum)