Tiger rollen durch die Altstadt

Was war da los, Herr Reimer?

„Wir hatten Dreharbeiten in der Nürnberger Altstadt. Bei wirklich heißen Temperaturen haben Tyler Weiman, Yasin Ehliz, Connor James und ich den ganzen Nachmittag in voller Eishockeymontur für gute Bilder geschwitzt. Viele Passanten haben uns angesprochen, was wir da machen, am Regnitzufer oder, wie auf dem Bild (Foto: privat) zu sehen, am Heilig-Geist-Spital, in dessen Torbogen sich unser Goalie gestellt hatte. Wir haben auch auf ihn geschossen, allerdings nur mit Gummi-Pucks, um keine Passanten oder Autos zu gefährden. Die meisten Leute haben aber einfach nur gelacht, als sie uns gesehen haben, wie wir da mit Rollerblades und in voller Montur unterwegs waren. Und, natürlich, wie sehr wir geschwitzt haben. Einmal wäre ich sogar fast gestürzt. Der fertige Clip wird dann übrigens vor unseren Heimspielen auf dem Videowürfel zu sehen sein.“ (Patrick Reimer, Eishockey-Profi der Ice Tigers)

36 Grad, ein Loch im Rohr und Luftfeuchtigkeit Malaysia

Am Sonntagmittag haben die Thomas Sabo Ice Tigers zum öffentlichen Training in die Nebenhalle der Arena eingeladen. Sie spielten dann vor nicht wenigen Fans tatsächlich Eishockey und nicht Beachvolleyball, immerhin hatte es 36 Grad im Schatten. Die Ice Tigers trotzten den Widrigkeiten und erlebten einen wunderbaren Tag mit den Fans, erst in der Arena-Nebenhalle, dann im Biergarten.

Vor dem Nebeneingang der Arena liegt Eis. Einen großen Haufen haben sie dorthin gekippt und jetzt schmilzt er traurig und fast unbemerkt dahin in der sengenden Nürnberger Sonne. Rentner radeln vorbei, das T-Shirt ausgezogen und über den Lenker gehängt. Jugendliche mit nassen Haaren und Handtuch über der Schulter schlendern vom Stadionbad herüber, die schattige Allee entlang. Es ist Hochsommer in Nürnberg. Und mittendrin spielen sie Eishockey.

Rekordtemperaturen, berichtet Kalle Schmid, der Betreuer der Ice Tigers, habe es auch in der Kabine. „Nach Sekunden“, sagt er und wischt sich über die Stirn, „schießt der Schweiß nur so raus“. Fenster könne man nicht aufmachen, „sonst kommen die Moskitos in Scharen“.

In kleineren Scharen kommen später die Fans, das Tribünchen der Nebenhalle, in der sonst der EHC 80 spielt, reicht am Ende doch nicht ganz aus, eine Handvoll Leute steht beim ersten öffentlichen Training dann direkt an der Plexiglasscheibe. „Fast wie im Linde“, sagt einer und grinst.

Die Hauptfläche der Arena ist immernoch gesperrt, ein Rohr hat ein Leck, „irgendwo am Boden unter dem Beton“, sagt Roman Horlamus, bei den Ice Tigers zuständig für die Pressearbeit. Und sein Kollege, Wolfgang Gastner, der mit Flip-Flops und Sonnenbrille unterwegs ist, schwärmt von einem Engagement bei den Florida Panthers: „Vormittags Training auf dem Eis, nachmittags dann an den Strand — das wäre mein Ding.“

Für Jeff Wittig hingegen wäre das gar nichts. Der Eismeister der Arena steckt in einem T-Shirt der Rostock Piranhas, vor einiger Zeit hat er nochmal ausgeholfen und beim EHC 80 die Verteidigung zusammengehalten. Jetzt sitzt er am Steuer der Eismaschine und schüttelt den Kopf. „Bei den Außentemperaturen“, sagt er, „ist es gar nicht möglich, hier ein ordentliches Eis zu machen“. Durch die Sonne heize sich die Nebenhalle auf wie ein Gewächshaus, das Kondenswasser tropfe schnell von der Decke — Gift für sein Eis. „Deshalb“, sagt Wittig und zeigt auf die großen Rohre der Klimaanlage, „ist da oben die Heizung an. Wir trocknen damit die Tropfen weg“.

Zum Trainingsstart um zwölf Uhr Mittags misst Jeff Wittig dann Minus 9,9 Grad auf der Eisoberfläche. „Das ist ok“, findet er, ideal sei aber etwas anderes. „Bei DEL-Spielen haben wir minus zehn Grad“.
Das größte Lob für Wittigs Eis kommt erst viel später, dafür von Tray Tuomie. Ein kühles Bier in der Hand steht der Cheftrainer der Tigers im Biergarten der Arena, seine Spieler schreiben um ihn herum fleißig Autogramme. Auch Kalle Schmid ist wieder da und erzählt, natürlich, von der Hitze in der Kabine. „Wenn’s jetzt nicht ordentlich gießt, sondern nur tröpfelt“, sagt der Betreuer, „dann haben wir da drin Luftfeuchtigkeit Malaysia“.

Tuomie spricht lieber über die Kälte, auch wenn auf seiner Stirn die Schweißperlen stehen. „Das Eis war richtig gut. Nur am Ende ist es ein wenig glitschig geworden. Aber, hey, wir haben schließlich 40 Grad…“