Spiel 51: Nur noch zwölf

Augsburg, Straubing, Hannover, München oder Wolfsburg. Klar ist, dass das weiterhin nicht klar ist, welche dieser Mannschaften am kommenden Mittwoch in der Arena auflaufen wird. Solange die Ice Tigers so spielen wie gerade eben, wird der Name des Gegners aber auch keine Rolle spielen. Womit der Versuch gescheitert ist, im Gegensatz zu meinem Zeitungsartikel zumindest in diesem Blog-Eintrag zu einem unaufgeregteren Ton zu finden. Nur noch zwölf solcher Leistungen bis zur Meisterschaft!

Die Fakten: Die Thomas Sabo Ice Tigers (51 Spiele, 77 Punkte, 155:153 Tore) haben sich mit dem, Pardon, sehr geilen 2:0 (0:0, 1:0, 1:0) gegen den Mannheimer ERC (51 Spiele, 96 Punkte, 160:123 Tore) Platz sieben und damit Heimrecht für die am Mittwochabend (19.30 Uhr) in Nürnberg beginnende Play-off-Qualifikationsrunde (nach Pre-, Vor- und erste Play-off-Runde eine neue Variante) gesichert.

Zitierfähig, Teil eins: „Dass wir kein Tor geschossen haben, ist seltsam.“ (Mannheims Trainer Harold Kreis wird den Namen Andreas Jenike nie mehr vergessen)

Die Statistik: 34 Schüsse, kein Tor. Interessant, wie der Respekt vor dem Torhüter während des Spiels die Seiten gewechselt hat. Zunächst waren es die Ice Tigers, die es gegen Dennis Endras besonders gut machen wollten, immer noch ein bisschen länger gewartet haben, statt zu schießen, um eine Bewegung, Abpraller und neue Spielsituationen zu provozieren. Connor James hat es dann per Penalty perfekt gemacht und spätestens nach Jason Jaspers‘ 2:0 konnte man den Mannheimer Schützen beim Nachdenken zusehen. F..k, warum bewegt sich dieser… , F..k, wie heißt er denn eigentlich? Andreas Jenike hatte nur einen spektakulären Save (Fanghand, gegen Ende des Spiels, Name des Mannheimer bitte hier eintragen:              ), das macht den Shutout nur noch wertvoller. Jenike hat spektakuläre Saves nicht nötig, weil sein Stellungspiel und seine Ruhe überragend sind. Natürlich werden schlechte Spiele kommen, er selbst hat das angekündigt. Jenike scheint aber die mentale Stärke (und die Play-off-Erfahrung) zu haben, mit jeder erdenklichen Situation umzugehen. Auf der Torhüterposition sind die Ice Tigers nach der (angeblich nun doch nicht Saison-beendenden) Verletzung jedenfalls nicht entscheidend schlechter besetzt, als jene neun Teams, die ab Mittwoch ebenfalls um die deutsche Meisterschaft spielen dürfen.

Zitierfähig, Teil zwei: „Morgen früh mach‘ ich mir mein Frühstück trotzdem noch selbst. Na, gut, vielleicht macht es morgen früh auch mal meine Freundin.“ (Andreas Jenike antwortet auf die Frage, wie groß jetzt die Gefahr sei, nach einer Rolle vor dem Nürnberger Publikum abzuheben)

Die Wende: Schon vor Connor James Penalty entwickelten die Ice Tigers in der Offensive mehr Selbstbewusstsein, setzten sich an der Bande öfter durch, hielten bei harten Checks dagegen, waren präsenter. „Die ersten zehn Minuten war Mannheim klar stärker“, gab auch Bengt-Ake Gustafsson gerne zu. „Aber dann haben wir das Tempo aufgenommen und uns dem Niveau angeglichen.“ Und das erste Ausrufezeichen dahinter setzte Jason Jaspers in der 29. Minute. Sein beherztes, dynamisches Solo zeigte Mannheim, dass die Ice Tigers ihr Glück diesmal erzwingen wollten. Vor allem trat dabei mal wieder jener Jason Jaspers aus der Play-off-Finalserie 2007 auf  (die große Jaspers-Preisung aber spare ich mir noch ein wenig auf und überlasse dem Kollegen von der Eishockey News zunächst einmal den Vortritt).

Zitierfähig, Teil drei: „Wir haben defensiv so stark gespielt (did such a great job defensively), dass wir sie damit offensichtlich frustriert haben. Das hat eindeutig den Ton für ein Wiedersehen in den Play-offs vorgegeben.“ (Jason Jaspers über die Mannheimer Provokationen und Fouls – wobei er selbst am besten weiß, wie harmlos diese Mannheimer Mannschaft im Vergleich mit früheren Jahrgängen ist).

Guter Stil: Tatsächlich ist allein Yannic Seidenberg negativ aufgefallen (hat Marcus Kink eigentlich auch mitgespielt?). Und dementsprechend folgt jetzt ein Satz, den man sich als Nürnberger Berichterstatter eigentlich nicht erlauben sollte: Mnnhm hat mich trotz der Niederlage beeindruckt, im Allgemeinen durch eine kompakte Mannschaftsleistung, durch physische, aber nicht auffällig unfaire Spielweise, durch herrliche Checks und im Speziellen durch Shawn Belle, Dennis Reul, Jamie Sifers und, auch wenn das keine wirkliche Überraschung ist, Dennis Endras.

Schlechter Stil: Nein, es geht nicht schon wieder um eine Schiedsrichterleistung. Es geht um ein Foul, das nicht geahndet wurde, weil sich Yan Stastny nicht weinend auf dem Eis gewälzt hat und sich dabei die Backe aufgekratzt hat. Stastny hatte den Puck verloren, weil ihn ein Mannheimer mit dem Stock im Gesicht behandelt hat. Würde Stastny zu schnellem Nasebluten neigen, hätte der Mannheimer duschen gehen können. so gab es nicht einmal zwei Minuten. Stastny selbst musste wegen einer solchen Situation in Hannover zuletzt schon in der ersten Minute vom Eis. Lieber Herr von Ameln, diese schwachsinnige Regel MUSS überdacht werden.

Zitierfähig, Teil vier: „Wir wollten uns selbst beweisen, dass wir diese Teams schlagen können. Und den Teams zeigen, dass es verdammt hart wird, uns zu schlagen.“ (Für Bengt-Ake Gustafsson haben die Play-offs auch bereits am Freitagabend begonnen)

Unsung 3 stars: Wie schwierig die Beurteilung einzelner Spieler in dieser Saison ist, zeigte dieses 2:0 gegen Mannheim exemplarisch. Wenn das Team funktioniert, wenn keiner ausschert, wenn sich jeder für den anderen opfert, dann fallen ehrliche Abwehrspieler wie Rob Leask und Sven Butenschön sowie in jeglicher Hinsicht auffällige Verteidiger wie Tim Schüle und Jame Pollock kein bisschen negativ auf. Pollock war im ersten Drittel der einzige torgefährliche Nürnberger, Schüle hat seine Fehler minimiert und sich in kurzer Zeit doch noch zu einem stabilen, trotzdem offensiv präsenten DEL-Verteidger entwickelt. Und Butenschön und Leask waren nicht nur gemessen an ihrem biblischen Alter sehr solide.

In eigener Sache: Stick tap to Christoph Benesch. Keine Ahnung, wie er das gemacht hat, aber irgendwie hat er mit seinem Smartphone ein stabiles kabelloses Netzwerk erschaffen (Yedi?), das es mir doch noch möglich gemacht hat, meinen Text in die Redaktion zu schicken. Danke. Und @den anderen Statistiker: Ich habe so getan, als hätte ich Deinen Witz verstanden (war es überhaupt ein Witz?), habe wissend gelacht. An dieser Stelle aber will ich gestehen, dass ich noch immer nicht verstehe, was Du mir sagen wolltest. Sorry.

5 Kommentare in “Spiel 51: Nur noch zwölf

  1. Tja, Glück gehabt, dass Chuck Norris nicht auf der Pressetribüne saß – er fesselt gern mal die Kollegen mit Wlan-Kabel und geht dann mit seiner Schreibmaschine online…

  2. schade eigentlich, das jaspers knappe 48 spiele gebraucht hat, um zu zeigen, was er wirklich drauf hat …
    für mich war der gestern der überragende mann auf dem eis.
    der leistungsanstieg und die zunehmende konstanz machen mir zumindest hoffnung, das vielleicht doch noch ein bisschen was in dieser saison geht.

  3. Jaspers war gestern überragend, er hätte wohl noch 3 Stunden weiter laufen können. Bitte mehr davon.

  4. @ seb
    dann bring ich mal licht ins dunkel …

    es geht um den check von steve reinprecht gegen doug janik … reinprecht spielte bei der avalanche und janik bei den red wings

    was sagte bei diesem check reinprecht zu janik??? 🙂 … den in der western conference wohl meist gerufenen „fan-song“ (und das nicht nur in chicago)

    http://www.youtube.com/watch?v=Y1BFfTf8MNE

  5. @DaS: Ah, Janik nicht Yannic. Ich habe tatsächlich nachschauen müssen, ob mir entgangen ist, dass der kleine Seidenberg von Detroit gedraftet wurde.

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