Spiel 44: Golf statt geil

Die einleitenden Worte habe ich mir für den Schluss aufgehoben: Mein Sohn hat gerade seinen Schnuller aus dem Gitterbett geschmissen, gerade soweit, dass er nicht mehr hingekommen ist. Das rückt einen solchen Abend natürlich in eine ganz andere Perspektive. Es gibt Schlimmeres als demotivierte Eishockey-Spieler, die in den Golfclubs von Florida, British Columbia, Mallorca und Ontario wahrscheinlich längst ihr Kommen für Mitte März angekündigt haben.

Die Fakten: Die Thomas Sabo Ice Tigers (44 Spiele, 62 Punkte, 131:138 Tore, Platz 9) haben mit dem 1:4 (0:2, 1:2, 0:0) gegen den Krefelder EV (45 Spiele, 76 Punkte, 142:124 Tore, Platz 3) bewiesen, was man aufgrund des Sechs-Punkte-Wochenendes gegen sehr schwache Gegner kurzzeitig verdrängt hatte: Auch wenn das niemals niemand zugeben würde, die Mannschaft hat diese Saison tief im Inneren längst aufgegeben. Und die sportliche Führung wohl auch – einen oder zwei Spieler, die vom Renommee in diese potenziell hochkarätige Mannschaft gepasst hätten, die gab der europäische Markt nach der Lockout-Verzerrung wohl wirklich nicht her, einen ehrlich arbeitendenden Spieler, der für ein bisschen Konkurrenz und Sicherheit (wie Krefelds Kevin Clark) hätte sorgen können, hätte man aber wohl bekommen. Aber vielleicht wollte man sich das Geld sparen – diese Entscheidung wäre durchaus nachvollziehbar.

Zitierfähig, Teil eins: „Sehrdscho, Sehrdscho Momessooo, ohoo, Serrdscho, Serrdscho Momessoo.“ (Beste Fanreaktion seit, nunja, seit dem Umzug vom Lindestadion in die Arena.)

Die Statistik: Ich könnte jetzt noch einmal heraussuchen, wie lange Eric Chouinard schon nicht mehr getroffen hat (28. Januar?) oder noch einmal die Bilanzen der beiden Trainer gegenüberstellen (werde ich am Montag für einen Print-Kommentar noch einmal machen müssen). Das erspar ich uns aber, stattdessen folgt die DEL-Tabelle im neuen Jahr: 1. Köln 26 Punkte, 2. Mannheim 24, 3. Wolfsburg und Ingolstadt je 23, 5. Iserlohn 19, 6. Düsseldorf, Augsburg, Hannover und Straubing je 18, 10. Berlin 17, 11. Krefeld und Hamburg je 15, 13. München 14, 14. Nürnberg 13. Erste nicht sehr überraschende Erkenntnis: Den Trainerwechsel hätte man sich komplett sparen können. Die zweite Erkenntnis: Im Kampf um einen Platz in den Vor-Play-offs ist nicht der EHC München gefährlich, sondern der Grizzly Adams aus Wolfsburg. Und die dritte Erkenntnis/Vermutung: Die Krefelder sitzen wahrscheinlich gerade im Bus und fragen sich, warum das gerade gar so einfach war, drei Punkte aus Nürnberg mitzunehmen.

Die Wende: Zum Abschluss einer Drangphase trifft Marco Nowak den Außenpfosten, Kevin Clark im Gegenzug nicht einmal das Nürnberger Tor. Weil aber weder Rob Leask noch Nowak den (unglücklichen) Abpraller abräumen, trifft Horst Schimanski auch ohne seine beigefarbene Feldjacke zum 2:0. Danach war das Spiel aus Nürnberger Sicht vorbei.

Zitierfähig, Teil zwei: „Wir haben hart gearbeitet.“ (Bei allem Respekt vor diesem Welttrainer, aber meint Bengt-Ake Gustafsson das wirklich ernst?)

Guter Stil: Serrdscho Mommessoo. Mehr will mir da heute nicht einfallen. Wobei, die Ice Crew kann an solchen Abenden auch ein wenig Trost spenden. #Aufschrei.

Schlechter Stil: Eine Frage: Was hat Andreas Jenike angestellt, dass man so mit ihm umspringt? Trainer und Manager preisen seine Einstellung, seine Trainingsleistungen – warum darf er dann nur spielen, wenn Tyler Weimans Unfähigkeit seiner Mannschaft in jedem Spiel, eine Chance auf den Sieg zu geben? Noch eine Frage: Warum muss Rob Leask noch immer Power-Play spielen? Warum dilettiert Steven Reinprecht bei numerischer Überlegenheit noch immer an der blauen Linie? Patrick Reimer hat bei der Olympia-Nicht-Quali durch Entscheidungsschnelligkeit, Passsicherheit und einen harten Schuss geglänzt, warum probiert King Gus das nicht in Nürnberg aus?

Unsung hero: 19 bis 20 Krefelder fielen mir sofort ein, aber irgendwie kein Nürnberger. Hmm.

9 Kommentare in “Spiel 44: Golf statt geil

  1. Zitierfähig, Teil 3: „Drum spielt doch lieber Minigolf, denn Eishockey ist nichts für euch“ endlich wieder etwas Kreativität in der Nürnberger Fankurve, eigentlich traurig, dass man dafür so ein ***-Spiel braucht.

    Wenn BAG das ernst meint, dann würde ich empfehlen zur neuen Saison einen Trainer einzustellen, der durchgreift und lustlose Spieler auf die Tribüne setzt

  2. Vielleicht könnte man ja # 77 Sergio Momesso als neunen Trainer für endlich mal wieder eine erfolgreiche Saison nach Nürnberg holen

    Ich war zu Beginn ja sehr erfreut über den Trainerwechsel, aber das ist leider mittlerweilen völlig verbasst, es ist ja nicht nur andi mit dem er umspringt auch so bekommen ja die jungen viel zu wenig eiszeit

    Ich denke es ist völlig egal, ob die Playoffs erreicht werden oder nicht, denn in der ersten Runde ist bei dieser Einstellung sowieso Schluss

  3. Es ist ja nicht so, dass ich mich nicht auch darauf freue, dass die Golf-Saison endlich wieder beginnt. Aber das, was da gestern Abend auf dem Eis geboten wurde – und ich meine nicht die Ice Crew – war schon sehr enttäuschend, um es noch nett auszudrücken. Wenn es nicht so traurig gewesen wäre, hätte man ja wieder über einige Slapstik-Einlagen so mancher TSIT-Spieler lachen können.

    Eigentlich hatte ich mich zu Beginn der Saison gefreut, Leute wie Borer oder Festerling und nicht zu letzt Reimer und Jaspers in den PlayOffs spielen zu sehen. Soll ja aber wieder mal nicht sein. Warum dürfen Spieler wie Couinard und Stastny (den ich einmal für einen der besten Center in der DEL hielt) überhaupt auflaufen und ein Pföderl, der zu Tommer´s Zeiten durchaus zu überzeugen wusste? Gerade diese beide Spieler würden der Mannschaft momentan auf der Tribüne eindeutig mehr helfen, als auf dem Eis.

    Ja, es mag Vieles Kopfsache sein, aber die Chancen, die die beiden gestern haben liegen lassen, hätte gereicht, um die drei zu vergebenden Punkte in Nürnberg zu behalten. Wer aber die Scheiben von der gegnerischen Linie kratzt anstatt sie darüber zu schieben, oder im Torraum einen Doppelpass spielen will, der will doch gar nicht gewinnen. 40 : 21 im Worten VIERZIG zu EINUNDZWANZIG Schüsse, im Letzten Drittel 13:1 (!) und wir verlieren 1:4. Da kann man sagen was man will, aber das war nicht nur Scheibenpech, sondern Unvermögen (vielleicht aber auch Unlust). Krefeld schießt im letzten Drittel ein einziges Mal aufs Nürnberger Tor und trifft. So etwas frustriet und ich verstehe die Reaktion der Fans, die ihrem Unmut freien Lauf lassen. Mit einer solchen Einstellung einiger Schlüsselspieler ist es unmöglich in dieser Liga vorn mitzuspielen. Da hilft auch ein King GUS nicht weiter. Solche Spiele will ich nicht mehr sehen. Da bin ich dann eher froh, dass die Saison nur noch zwei Heimspiele andauert.

    In diesem Sinne, lasst es Frühling werden und die Golf-Saison beginnen.

  4. Hi @ all

    man hat doch letzte Woche gesehen, das die Mannschaft nur dann ihre Leistungen gebracht hat, wenn Druck da war. Letzte Woche gegen Augsburg und Straubing geisterte noch etwas von Nachverpflichtungen durch die Arena, das hat unseren Stars Beine gemacht. Kaum ist keine Gefahr weg, spielen sie wieder ihren Stiefel runter.

    Es wird Zeit, das man die Wohlfühloase Nürnberg schliesst und wieder nach Leistungen bezahlt und vorallem die Verträge nach diesen Gesichtspunkt verlängert oder ausstellt.

  5. Hallo Zusammen,
    Ich komme nicht aus Nürnberg und bin auch kein Krefeld Fan.
    Allerdings schaue ich mir seid 44 Spieltagen die Liga an und wenn
    Servus überträgt auch gerne eine renommierte Mannschaft wie Nürnberg an.
    Tja, was ist los mit den erschreckt wirkend schwachen Tigers ?
    Ich glaube nicht das Tomlinson der“falsche“ war, ich glaube genau so wenig,
    dass die Spieler die falschen sind, ich persönliche habe viel mehr das Gefühl
    das die Neuzugänge große Verträge bekommen haben und einzelne Spieler denken
    bei den Jungs kann uns die Meisterschaft ja kaum zu nehmen sein!
    Und seid 44 Spieltagen haben genau diese Jungs es nicht geschafft aus einer Mannschaft
    ein Team zu bilden! Und wenn die Qualität nicht da wäre würde man höchstwahrscheinlich
    noch unter der DEG stehen- die es im übrigen trotz mangelnder Qualität
    Geschafft haben ein Team zu werden.

    Das einzige was hinzuzufügen ist und mich in meiner Aussage bestätigt Spieler wie Ehliz,
    tun nämlich genau das was sie tun müssen um ein Team zu werden – Einsatz zeigen um erfolgreich
    Eishockey zu spielen.

    Lg aus Krefeld
    Kai Erlenhardt

  6. Hallo,
    ich habe gestern das erste mal seit 12 Jahren die Arena nach dem 2. Drittel verlassen, ich habe es einfach nicht mehr ausgehalten… Thomas Sabo gehört das Team. Er hat Profi Eishockey in Nürnberg gerettet. Aber ich glaube, er muss verstehen, dass er die Tigers nicht wie sein Schmuck-Imperium führen kann.

    Solide sportliche Leitung etablieren (und da gehört für mich auch der Manager dazu, Lance ist ja inzwischen leider in Köln…), mit Geld UND Zeit ausstatten und sich dann konsequent raushalten und sehen was passiert. Schlechter UND teurer als die letzten Jahre kann es nicht mehr werden.

    Herzliche Grüße
    Stefan

  7. Ich neige mittlerweile zu der Ansicht, dass das Winter Game ein Riesenfehler war. Klar hat es uns in die Eishockey-Geschichtsbücher gebracht, und klar war es als singuläres Ereignis für jeden Zuschauer ein Riesenevent, aber man hat sich damit unter Druck gesetzt, eine herausragende Saison zu spielen und dieser herausragenden Saison mit dem Winter Game die Krone aufzusetzen. Als klar wurde, dass das so nicht laufen wird, dass die Saison verkorkst verläuft und man sich bei dem historischen Großereignis vielleicht sportlich kolossal blamiert, wurde in hektischen Aktionismus verfallen. Das hat das Winter Game zwar sportlich halbwegs gerettet, mittelfristig aber überhaupt keine Änderung bewirkt und langfristig vielleicht sogar viel kaputt gemacht. Natürlich ist „Hätte, wenn und wäre“ immer billig und müßig, aber meiner Ansicht nach hätten uns ein langsamer, unaufgeregter Aubau eines neuen – jungen – Teams und die entsprechende langsame Etablierung eines neuen Spielsystems viel, viel besser getan als diese Brechstangen-Kraftmeierei, die ja doch meistens zu nichts führt. Aber mir ist natürlich auch klar, dass sich so was im Nachhinein immer leicht sagt, hinterher ist man immer schlauer…

  8. Was ich einfach nichtverstehen kann und will, dass auch in berlin wieder weimann im tor steht, warum bekommen die jungen spieler nicht aucch mal eine chance

    BAK – NIT = ein großes Missverständnis

    Hoffentlich bald Adjö BAK

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