Spiel 41: Nummer 28 checkt

Wenn man wirklich gar nichts mehr von einer seltsamen Eishockey-Saison erwartet, dann wird es plötzlich total verrückt: Steven Reinprecht hat einen Check zu Ende gefahren. Das Spiel vor und nach diesem Wunder war auch recht aussagekräftig – in jeglicher Hinsicht.

Die Fakten: Die Thomas Sabo Ice Tigers (41 Spiele, 59 Punkte, 124:129 Tore, Platz 9) haben mit dem 6:4 (3:0, 2:1, 1:3) gegen den Augsburger EV (42 Spiele, 61 Punkte, 111:129 Tore, Platz 8) den Rückstand auf eine direkte Play-off-Qualifikation auf fünf Punkte verkürzt und den Vorsprung auf Platz elf von einem auf einen Punkt vergrößert (soll heißen: schön war’s, aber der Weg in die Play-offs wird noch verdammt hart).

Zitierfähig, Teil eins: „Ich habe seit Wochen nicht auf die Tabelle geschaut.“ (Patrick Reimer direkt nach dem Spiel, und, nein, er war trotzdem nicht überrascht, dass seine Ice Tigers in der Tabelle nicht ganz oben zu finden sind)

Die Statistik: 17:3 Schüsse, noch einmal, siebzehn zu drei Schüsse. In 20 Minuten. Für Augsburg. Nürnberg hat wirklich alles dafür getan, die ersten sehr souveränen 40 Minuten im Schlussdrittel zu konterkarieren. So ermutigend die ersten zwei Drittel waren, so entmutigend waren die dritten 20 Minuten. „Zu passiv“ nennen das Eishockey-Trainer, egal, aus welchem Herkunftsland. Erstaunlich, finde ich, passt eher zu der Art, wie die Ice Tigers plötzlich den Fokus verloren haben. Die Gier auf Tor, der Hunger, alles war verschwunden. Bis auf ein paar Ausnahmen, die ob des unruhigen Saisonverlaufs auch Gründe dafür haben (zum Beispiel: Reinprecht), machen die Spieler nicht den Eindruck, nicht ausreichend fit zu sein. Ein mentales Problem wäre für die (Pre-)Play-offs aber nicht weniger besorgniserregend.

Die Wende: Reimer höchstpersönlich gab die Richtung vor – mit einem Check nach wenigen Sekunden. Mir kam es so vor, als wäre das erste Check seit dem Heimspiel gegen Mannheim gewesen. „Unser erster Sturm hat uns die Richtung gewiesen“, befand Bengt-Ake Gustafsson später. Mit dieser Aggressivität gaben erstmals seit langer Zeit die Ice Tigers die Härte vor, Augsburg konnte später nur noch kontern, da waren die Nürnberger vorbereitet.

Zitierfähig, Teil zwei: „Wir waren hungrig auf diesen Sieg. Wir haben zuletzt auch schon gut genug gespielt, um zu gewinnen. Diesmal wollten wir uns belohnen.“ (Brett Festerling lachte danach noch breiter als alle anderen. Nach einem durch hartnäckige Leistenprobleme erschwerten Start in seine Europa-Karriere und weiterer Verletzungen hat der Deutschkanadier endlich zu seinem Spiel gefunden. Dass er nach vielen guten Chancen endlich sein erstes Tor geschossen hat, ließ ihn aus dem Nürnberger Gaudiwurm noch herausstechen)

Guter Stil: Marian Rohatsch hat mir den Glauben an bessere Zeiten zurückgegeben. Was Lars Brüggemann kann, wusste man schon vorher. Aber auch sein Nebenmann, ebenfalls ein ehemaliger (Halb-)profi überzeugte mit einer souveränen, stets nachvollziehbaren Spielleitung. Wenn dieses Wir-machen-durchschnittliche-Spieler-zu-guten-Schiedsrichtern-Programm weiterhin solch gute Ergebnisse hervorbringt, darf man hoffen, dass solch gute Leistungen in Zukunft zur Regel werden.

Schlechter Stil: Eigentlich muss man Daryl Boyle dankbar sein. Wenigstens einer, der ein bisschen Gift in dieses Derby gebracht hat. Den Schiedsrichtern gebührt weiteres Lob, dass sie nach seinem Ausraster nicht (wie es wahrscheinlich viele ihrer erfahrenen Kollegen es getan hätten) auch Reimer noch hinausschickten. (Das Sprachniveau dieses Blog-Eintrags passt leider auch in diese Kategorie)

Zitierfähig, Teil drei: „Manchmal muss ein Trainer über den nächsten Wechsel, das nächste Spiel hinausdenken. Patrick ist unser wichtigster Spieler. Ich dachte, dass es für uns und für ihn im Kampf um einen Play-off-Platz besser ist, wenn ich ihn drinlasse. Während eines Spiels muss ein Trainer viele solcher Entscheidungen treffen. Im Nachhinein denke ich, dass es eine gute Entscheidung war.“ (Augsburgs Coach Larry Mitchell auf die Frage, warum er Patrick Ehelechner nicht wie in Krefeld nach drei Gegentoren vom Eis genommen hat)

Unsung hero: Nach dem Iserlohn-Spiel habe ich an dieser Stelle die Leistung von Brett Festerling gepriesen. Ich gehe allerdings nicht davon aus, dass nun Sven Butenschön am Sonntag in Straubing ein Tor schießen wird. Seine Leistung gegen Augsburg aber war tadellos. Butenschön spielte stets hart an der Grenze, konsequent und konzentriert. Butenschön war nie das Problem dieser Ice Tigers. Schade, dass das nicht jeder sieht.

1 Kommentar in “Spiel 41: Nummer 28 checkt

1 Comment
  1. Nach langem Schweigen und vielem Nachdenken über das, was uns da in dieser Saison geboten wird nun auch wieder einmal ein paar Worte vom Statistiker:

    Endlich konnte man mal wieder Eishockey sehen in der Arena. Nach den vielen Anpreisungen und Lobeshymnen vor der Saison und eine ganz passablen Vorbereitung waren die Erwartungen hoch und wurden bei weitem nicht erfüllt. Am Freitag sah es so aus, als ob man den Jungs vor dem Spiel gesagt hätte, dass die PlayOffs angefangen hätten. Leider hatten die Kungs wohl nach den erstenb vierzig Minuten mitbekommen, dass dem noch nicht so war. Gestern haben sie es dann tatsächlich geschafft, nur ein Gegentor zu bekommen und auch das letzte Drittel zumindest sicher nach Hause zu fahren. Das macht Hoffnung.

    Bei Deiner Aussage zu Festerling war ich letzte Woche auch ein wenig irritiert, weil ich mir bisweilen schon die Frage gestellt habe, ob das wirklich DER Festerling ist, hinter dem die ganze Liga her war. Bisweilen füge sich auch noch die Frage an, welche Sportart denn der Spieler mit der Nr. 2 da auf dem Eis betreibt. Aber gut er hat ja noch ein paar Spiele und ein weiteres Jahr bei uns, mich vom Gegenteil zu überzeugen.

    Von Butenschön kann man halten, was man mag. Da geht es mir so, wie es Dir mit Festerling geht. Ich mag seine Spielweise und die Übersicht, die leider an manchen Tagen in der Kabine geblieben war.

    Erstaunlicherweise ging mit dem neuen Schwung der ersten beiden Reihen das Wirken von Ehliz deutlich zurück. Er war immer noch präsent, aber bei weitem nicht mehr so herausstechend, wie noch in den letzten Spielen. Hoffen wir, dass dieser neue Schwung anhält und wir uns noch weiter nach vorn arbeiten können. Bei einem Blick auf die Tabelle (im Gegensatz zu Patrick Reimer schaue ich da dort hin und wieder einmal drauf) erscheint noch alles möglich. Schade das jetzt gerade diese komische Länderspielpause kommen muss und wir von den letzten 11 Spielen nur noch dreimal zu Hause spielen.

    In diesem Sinne eine schöne Woche.

    Ein Statistiker

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