Spiel 47: Spiel zwei nach der Wende?

Es ist die letzte Chance, diese Saison doch noch versöhnlich zu beenden. Und die Ice Tigers scheinen dies wirklich kapiert zu haben. Zugegeben: Wie denke ich alle anderen Nürnberger waren auch wir Journalisten heute skeptisch: Ja, klar, tolle Leistung in Düsseldorf. Aber wie oft haben wir in dieser Saison schon gedacht: Jetzt ist der Knoten geplatzt? Und als die ersten zehn Minuten vorüber waren, die Ice Tigers noch keinen Schlittschuh ins Wolfsburger Drittel gesetzt, dafür schon drei Strafzeiten kassiert hatten – da waren auch wir wieder enttäuscht und sahen uns bestätigt, dass diese Mannschaft so viel kann, es aber nicht kann, das kontinuierlich aufs Eis zu bringen. Doch was dann ab dem Tor zum 1:0 – dem ersten Torschuss – folgte, war eine höchst beeindruckende Vorstellung der Ice Tigers, die ratlos macht. Ratlos deshalb, weil man gar nicht darüber nachdenken möchte, wo diese Mannschaft stehen könnte, wenn sie schon die gesamte Saison auf diesem Niveau spielen würde. Ein Fiasko ist, dass sich mit Yasin Ehliz nach Marco Nowak schon der zweite Spieler verletzt hat, der zu den wenigen Lichtblicken dieser Saison zählte. Es bleibt zu hoffen, dass die Verletzung nicht so schlimm ist, wie man nach Pressesprecher Roman Horlamus`Aussage („Es knackt irgendwas im Brustkorb“) zu befürchten hat. Sind wir lieber so optimistisch wie Oberoptimist Bengt Ake Gustafsson: „Yasin war nicht mehr bei 100 Prozent, also konnte er nicht mehr aufs Eis. Ich weiß nicht, wie schlimm die Verletzung ist, aber so wie ich das bewerte, ist das nichts Schlimmes.“

Die Fakten: Die Thomas Sabo Ice Tigers (47 Spiele, 68 Punkte, 144:145 Tore, Platz 8 ) haben mit dem 4:0 (2:0, 1:0, 1:0) gegen die Grizzly Adams Wolfsburg (48 Spiele, 65 Punkte, 128:141 Tore, Platz 11) ein überaus erfolgreiches Sechs-Punkte-Wochenende abgeschlossen und sich – zumindest bis Montag – auf Platz 8 vorgearbeitet. Die Pre-Playoffs sind wieder greifbar! Nicht nur zwei Siege standen nach diesen zwei Spielen in Düsseldorf und zu Hause gegen Wolfsburg zu Buche, sondern es wurde auch gehörig etwas fürs Torverhältnis getan: 11:1 Treffer, Tyler Weiman hielt in 120 Minuten Eishockey 65 von 66 Schüssen – eine Quote von 98,5 Prozent. Dem 7:1-Sieg gegen Düsseldorf folgte Weimans erster Shut-Out dieser Saison – fünf Spieltage vor Rundenschluss hat auch der Goalie mit seiner besten Leistung der Saison gezeigt, wozu er eigentlich fähig ist.

Zitierfähig, Teil eins: „Oh yeah, it had a long time in the coming. But now its just a very special day for me.“ (Tyler Weiman, angesprochen auf seinen ersten Shut-Out der Saison im 47. Spiel)

Die Statistik: Selten kann man anhand der Statistik eines Spieles so eindrucksvoll sehen, dass nichts so sehr über ein Ergebnis hinwegtäuscht wie eine Statistik. Beispiele gefällig? Schüsse: Wolfsburg 33, Nürnberg 25; Minuten in Überzahl (zirka): Wolfsburg 14:30, Nürnberg 5; Überzahlsituationen: Wolfsburg 9 (kein Tor), Nürnberg 4 (kein Tor); Strafzeiten insgesamt: Wolfsburg 12, Nürnberg 22. Tore: Wolfsburg 0, Nürnberg 4, Punkte: Wolfsburg 0, Nürnberg 3. Fans (geschätzt): Wolfsburg 3, Nürnberg 3600.

Fotomotiv, Teil 1: Die Journalisten möchten gern in die Mixed Zone, müssen aber noch vor einer Glastür warten. Der Grund: Die Ice Crew nimmt gerade Position ein, die hübschen Mädels lächeln, zeigen ihre langen Beine und wuscheln mit ihren silbernen Hand-Wuscheln in die Kamera. Vor ihnen, strahlend und auf den Knien: Daniel Piechaczek, Carsten Lenhart, Benjamin Hoppe und Christoffer Hurtig – die Schiedsrichter.

Die Wende: Fand bereits vor dem Düsseldorfspiel statt. „Wir haben uns zusammengesetzt und besprochen, dass es so nicht weitergehen kann. Wir wollten endlich wieder einfacher spielen, hart arbeiten, wollten weniger Chancen zulassen, weniger Fehler machen“, sagte Bengt Ake Gustafsson nach der Pressekonferenz. Fast wortgleich erzählte Tyler Weiman nur Minuten vorher von dem ernsten Gespräch unter Männern, davor wiederum Kapitän Patrick Reimer. Vielleicht war es die entscheidende Wende der Saison – was Gustafsson so nicht stehen lassen mag: „Es ist zu bald um zu sagen, dass das die Wende war. Das Gespräch hat uns aufs richtige Gleis gebracht, jetzt geht es darum, weiter darauf zu bleiben. Es bringt nichts, wenn wir uns jetzt zurücklehnen und sagen: Mensch, waren wir gut. Sondern wir müssen hart arbeiten, nicht nach hinten, sondern nur nach vorne schauen. Da kommen jetzt weitere sehr schwierige Spiele auf uns zu.“

Zitierfähig, Teil zwei: „Ich würde nicht sagen: Der Knoten ist geplatzt. Ich würde sagen: Wir haben jetzt endlich die richtige Auffassung, wie wir in Spiele gehen müssen um zu gewinnen. Wir dürfen uns jetzt nicht wieder damit zufrieden geben, dass wir zweimal gut gespielt und gewonnen haben. Wir müssen so weitermachen, dann können wir denke ich noch ein gutes Wörtchen mitreden in dieser Saison.“ (Patrick Reimer auf die Frage, ob jetzt der Knoten geplatzt ist)

Fotomotiv, Teil II: Kaum ist das Spiel aus, muss Pucki vor der Ice Tigers-Kabine ein kleines Baby entgegen nehmen und hochhalten. Das Baby schaut skeptisch in das Plüschgesicht. Man erkennt, zu wem es gehört, an dem weißen Eisbären-Mützchen, dass es schon bei der Wintergame-Ehrenrunde auf dem Arm von Papa Aab aufhatte.  Jetzt laufen zwei weitere junge Mädchen zu Pucki, stellen sich daneben – und strahlen. Einige Meter entfernt, mit Kamera: Mama Aab, die einen Schnappschuss fürs Familienalbum macht.

Guter Stil: …oder besser: Guter Tanzstil: Was Tyler Weiman samt Schoner und Schlittschuhen mit Pucki zu „Gangnam Style“ aufs Eis zauberte, war allererste Sahne. So ausgelassen feiern hat man den Goalie bislang nur nach dem Winter Game gesehen. Vielleicht wird das der Rote Faden der Playoffs – ein tanzender Weiman, nach jedem Sieg?

Schlechter Stil: Was Daniar Dshunussow anstellte, als Dusan Frosch zwischen seinem Tor und der Bande auf dem Bauch lag, hatte mit Eishockey wenig zu tun. Der Wolfsburger Torhüter stürzte sich auf den Ice Tiger, nahm all seinen Frust von vier Gegentoren zusammen – und trat zu, mit den Schlittschuhen. Was Kollege Böhm sogleich per SMS schickte: „Gerade nachgesehen: jüngstes del-strafmaß bei schlittschuh-tritt – zwei spiele sperre“.

Zitierfähig, Teil drei: „Es war jedem bewusst, was auf dem Spiel steht. Wir haben immer an uns geglaubt, auch wenn wir gewusst haben, dass vor diesem Wochenende nicht alles gut gelaufen ist. Einiges war sogar richtig schlecht. Da wollten wir heute das Spiel angehen wie ein Playoff-Spiel und man hat denke ich gesehen, dass die Mannschaft Charakter hat. Das war die richtige Reaktion auf diese Wochen, die richtige Antwort auf viel Kritik.“ (Patrick Reimer)

Unsung hero: Für mich: Brett Festerling und Sven Butenschön, gerade weil sie diesmal nicht herausstachen mit ihrer starken Defensivarbeit – einfach, weil endlich auch die anderen um sie herum starke Defensivarbeit leisteten. Sie sind aber die Heros, weil sie sich schon immer in die Schüsse schmeißen, harte Checks auspacken und auch einstecken können.

Spiel 44: Golf statt geil

Die einleitenden Worte habe ich mir für den Schluss aufgehoben: Mein Sohn hat gerade seinen Schnuller aus dem Gitterbett geschmissen, gerade soweit, dass er nicht mehr hingekommen ist. Das rückt einen solchen Abend natürlich in eine ganz andere Perspektive. Es gibt Schlimmeres als demotivierte Eishockey-Spieler, die in den Golfclubs von Florida, British Columbia, Mallorca und Ontario wahrscheinlich längst ihr Kommen für Mitte März angekündigt haben. Weiter lesen

Spiel 41: Nummer 28 checkt

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