Spiel 37: Immer nur Ehliz

Eigentlich hätte man es ahnen können: Was soll denn nach einem Arbeitstag, an dem man sich ausschließlich mit einem Soziopathen wie Lance Armstrong beschäftigen musste, groß rauskommen? Eishockeykunst? Nein, zu meinem persönlichen 18. Januar 2013 hat dieses 1:3 perfekt gepasst. Aber dass mich Fans danach für meine angeblich viel zu positive Berichterstattung kritisieren, sich aber nach eigentlich ganz vernünftigen Gesprächen als Leser der Nürnberger Zeitung herausstellen – das hat mir den Rest gegeben.

Die Fakten: Die Thomas Sabo Ice Tigers (37 Spiele, 55 Punkte, 114:115 Tore, Platz neun) haben mit dem 1:3 (1:0, 0:1, 0:2) auch das dritte Saisonspiel gegen die Hannover Scorpions (39 Spiele, 56 Punkte, 98:113 Tore, Platz acht) verloren – und das an einem Abend, an dem ihre direkten Konkurrenten gepunktet haben. Aber genau das ist ja das Problem dieser Ice Tigers: Hannover, Iserlohn, Augsburg und München wollen sie als Konkurrenten kaum anerkennen.

Zitierfähig, Teil eins: „Schade. Scheisse. Wie kann das passieren?“ (Patrick Reimers Kumpel Campino fragt sich dem Spiel, was sich viele fragen – ein- bis viermal, fünfmal kann das einer hochkarätig besetzten Mannschaft in einer langen DEL-Saison schon passieren, aber nicht so oft wie den Ice Tigers 2012/2013)

Die Statistik: Yasin Ehliz immer wieder als besten Spieler zu bezeichnen, nur um damit auszudrücken, wie enttäuschend die Leistung der anderen Ice Tigers ist, das kann man sich mittlerweile sparen. Dieser Vergleich wird Ehliz nicht gerecht. Ehliz ragt Woche für Woche aus dieser Mannschaft heraus, weil er härter arbeitet als seine namhaften Kollegen, weil er als einziger das gegnerische Tor hart attackiert, weil er keine Angst kennt und mit Leidenschaft Eishockey spielt. Fünf Punkte hat er in den letzten sieben Spielen gemacht. Gefühlt ist er seit dem Winter Game der einzige torgefährliche Nürnberger. (Sehr seltsam: Wie Eric Chouinard bei Ehliz‘ 1:0 zu einem Assist kam, weiß wohl nur dieses hinreißend komische Schiedsrichterduo)

Zitierfähig, Teil zwei: „Wir haben einfach die richtige Taktik gewählt.“ (Ohne es zu wollen, brüskiert Igor Pawlow den Olympiasieger und Weltmeister rechts neben sich, Hannovers Trainer erklärte den Ice Tigers dann noch, wie man in dieser DEL zu Erfolgen kommt: „Unsere Stürmer müssen über die Zweikämpfe ins Spiel kommen, in die Ecken gehen. So haben wir über 60 Minuten mehr vom Spiel gehabt.“)

Die Wende: Steven Rupprich legt überflüssigerweise noch mal auf Brett Festerling ab und all die anderen oft schon im Ansatz leichtfertig vergebenen Chancen (Gusstafsson: „Die Verteidiger lagen schon auf dem Boden und wir trotzdem noch versucht, durch sie durchzupassen.“). Jeder einzelne grauenvolle Fehlpass. Jede einzelne Situation, in der die Ice Tigers ihren Gegnern den Puck mehrmals auflegten. Man kann es sich aussuchen. Dieses Spiel nahm an keinem bestimmten Punkt eine andere Richtung. Dieses Spiel war von vorneherein verkorkst – genauso wie mitterlweile auch diese gesamte Saison von vorneherein verkorkst zu sein scheint.

Guter Stil: Das Bemühen der Fans, dem miesen Spiel zu trotzen, den Restschwung aus dem Winter Game zu nutzen und Stimmung zu machen. Nicht nur mir ist das aufgefallen. Mehr will mir für diese Rubrik nicht einfallen.

Schlechter Stil: Steven Reinprecht war grauenvoll, das wollte selbst der sehr vorsichtige Gustafsson eingestehen („sein schlechtestes Spiel seitdem ich hier bin“). Er verkörpert die Totalverweigerung der Ice Tigers für den Erfolg Schmerzen in Kauf zu nehmen. Ein totales Rätsel ist mir Jame Pollock: Wie kann ein Verteidiger, der stets den Kopf oben hat, der sich andauernd orientiert und dabei so wirkt, als hätte er das Spiel unter Kontrolle, derart viele verheerende Fehlpässe spielen? An einer ungeklärten Vertragssituation, die ihn belastet, kann das jedenfalls nicht liegen. Und ein Gag zu den vier Komikern in Streifen will mir jetzt auch nicht mehr einfallen. Morgen geht es zum All-Star-Spiel einer Liga, die sich Beko-BBL nennt. Mal sehen, ob dieses Wochenende tatsächlich noch einmal besser wird.

8 Kommentare in “Spiel 37: Immer nur Ehliz

  1. „An einer ungeklärten Vertragssituation, die ihn belastet, kann das jedenfalls nicht liegen.“

    Ich hoffe dies ist kein Hinweis, dass wir Jame Pollock auch in der nächsten Saison noch ertragen müssen. Er ist aktuell der größte Unsicherheitsfaktor in der Abwehr und im Angriff kommt auch nichts …

  2. Tja. besser kann man es nicht beschreiben. Es bringt viele Schmerzen mit sich und benötigt viel Leidenschaft in der DEL ein Spiel zu gewinnen. Bis auf 3-4 Spieler war gestern kein Akteur der Tigers bereit, hart zu arbeiten. Für mich eine der schlechtesten Leistungen in derArena in dieser Saison.

    Für Ehliz ist es inzwischen fast schon eine Bestrafung, dass er mit einem lustlosen Stehgeiger wie Chouinard in einer Reihe spielen muss.

  3. Ich befürchte, dass wir Pollock auch nächste Saison noch ertragen müssen. Das Gerücht ist doch schon mal aufgetaucht, dass Pollock scheinbar verlängert wurde. Das einzig gute noch an ihm ist sein guter Schuss, aber selbst den zeigt er zurzeit nicht.

  4. vom prinzip wird auch nach dieser saison nichts übrig bleiben, außer einem erneuten komplett umbau der mannschaft:

    pollock (obige bemerkung lässt mich erschauern)
    leask
    bayda
    chouinard
    aab
    frosch
    rupprich
    reinprecht

    diese acht sollten es eigentlich mindestens sein. zudem habe ich das latente gefühl, das borer schon unterschrieben hat, allerdings leider nicht in nürnberg.

    ich hab einfach keine lust mehr auf die 50 spiele dauernde lethargie-phase eines vitlij aab. ich habe keine lust mehr auf einen dusan frosch, der jedes spiel gefühlte zehnmal auf dem hosenboden landet und weitere fünfzehnmal sinnlos in einen gegner hinein rennt.
    bei bada, leask und reinprecht muss man vermutlich einfach akzeptieren, das deren zeit vorbei ist.

    wahrscheinlich war die erwartungshaltung nach den letzten beiden verlorenen jahren einfach zu groß, so ein umbau dauert einfach seine zeit …

  5. Jawohl, so ein Umbruch dauert seine Zeit. Nichts anderes hat übrigens auch Lorenz Funk vor der Saison immer wieder betont. Leider musste er dann eine Entscheidung treffen, die dieses Wissen um Langfristigkeit konterkariert.

    Und selbst ich bin mittlerweile der Auffassung, dass man mit sympathischen und verdienten Spielern wie Leask, Aab, Bayda (auch wenn das gestrige Spiel dafür kein Beweis war) und auch dem (wie nicht nur ich finde) durchaus verbesserten Frosch große Ambitionen nicht seriös wird vertreten können. Pollock mit einem deutschen Pass bleibt für mich ein Sonderfall, außer Sascha Goc gibt es in der Liga keinen deutschen Spieler mit einem potenziell gefährlichen Schuss wie ihn Pollock sein Eigen nennt. In der NHL gäbe es Rollen für solche Spieler, in der DEL nicht, zumal Pollocks Selbstverständnis einer solchen Rolle entgegen stünde.

  6. @sebastian
    ich bezweifle, das pollock mit deutschem pass weniger fehlpässe spielt …
    aber gut, seine weiterverpflichtung kann ich auf grund seines schusses noch in ansätzen nachvollziehen.
    was mir fehlt sind junge, hungrige spieler, die eben auch mal dahin gehen, wo es richtig weh tut (siehe ehliz). mathias plachta wäre so einer (nur um überhaupt mal einen namen zu nennen).
    funk braucht im jahrgang 13/14 ein paar jungs, die nicht nur für die gallerie spielen; mir schwebt da eigentlich immer ein typ a´la milan lucic vor: groß, hart, meißten mehr tore denn assists (ja, ich weiß: solche spieler kommen nicht in die del).

    ich habe absolut nichts gegen die oben genannten spieler, nur muss man eben einfach akzeptieren, das sich das team mit diesen leuten nicht weiter entwickeln wird. klar ist frosch verbessert, was aber nichts an der tatsache ändert, das er in einer mannschaft mit ambitionen nichts mehr zu suchen hat, da reichts einfach auch körperlich nicht mehr.

  7. @ klaus den du gerner wird wohl auch nicht zu uns kommen, leider

    deine liste scheint mit vernünftig, jedoch möchte ich rupprich ausklammern er hat noch vertrag und ist einer der jungen und ich finde auch seine einstellung etc nicht schlecht laufstark und auch in unterzahl kampfbereit

    leask denke ich erledigt sich aufgrund seines alters selbst

    obwohl butenschön viel ruhe ausstrahlt, bin ich mir nicht sicher, ob man ihm in seinem alter nochmals verlänger sollte

    wer mich dieses jahr auch schon oft enttäusch hat ist stastny, der sicher zu den topverdienern gehört und ich denke, dass man mit dem budget auch etwas besseres bekommen könnte

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