Spiel 18: Die Rückkehr des Ogie

Schreib halt mal was über Island und Eishockey, rät mir meine Frau. Gute Idee. Dann aber hab ich doch noch was zu einem anständig aufwühlenden Derby geschrieben:

Die Fakten: Die Thomas Sabo Ice Tigers (18 Spiele/26 Punkte, 61:59 Tore, 10.) holen beim 3:4 (0:1, 1:1, 2:2, 0:1) gegen den ERC Ingolstadt (20 Spiele/32 Punkte, 62:55 Tore, 6.) zum fünften Mal nur einen Punkt. “Man kann es aber auch positiv sehen”, sagt Jeff Tomlinson, “wir haben bei sechs von den letzten sieben Spielen gepunktet.” Stimmt, aber dass der Coach das erste Mal Statistiken (10 von 18 möglichen Punkte, klingt nicht wirklich nach einer Erfolgsserie) umdeuten muss, ist nicht unbedingt ein gutes Zeichen.

Zitierfähig fällt heute mangels Masse aus. Natürlich war es interessant, was sich Jeff Tomlinson und Rich Chernomaz nach der Pressekonferenz zu sagen hatten, nur hätte man da natürlich nicht so genau zuhören dürfen (lediglich so viel: Es ging auch um die Frage, warum Alexander Oblinger so wenig spielt). Natürlich waren unsere Kommentare zu dem übergewichtigen und dem komischen Schiedsrichter witzig, aber eben noch nicht einmal für das böse Internet politisch korrekt genug. Und natürlich hätten auch die Spieler so manches erzählen können. Nach Niederlagen muss man nur etwas hartnäckiger sein, um an Stimmen zu kommen – und dazu hatte ich weder Zeit noch Lust.

Die Statistik: 1-16. Eins von sechszehn. 6,25 Prozent, das ist die Power-Play-Quote  der Ice Tigers an diesem Wochenende und sie ist indiskutabel. “Wenn sie 18 Prozent wäre”, also einer normal guten Quote entspräche, “hätten wir gewonnen.” Jeff Tomlinson sagt das und beklagt, dass er und sein für die Verteidiger zuständige Co-Trainer Tray Tuomie kaum mehr wüssten, welchen Abwehrspieler sie bei Überzahlsituationen aufs Eis schicken sollen. Rob Leask? Hat heute ein relativ überzeugendes Spiel gemacht, sollte aber nicht mehr als Verteidiger Nummer sieben sein. Peter Lindlbauer? Muss Power-Play spielen, aber um zu lernen und nicht, um für andere Verantwortung zu übernehmen. Jame Pollock? Wird wieder Power-Play spielen, aber, wenn es so weitergeht, auch weiterhin zu wenige Schussotionen geboten bekommen. Eric Chouinard? Loves to play the point, hat heute vom Point aus einen Punkt gesichert, ist aber sowohl als Puckverteiler als auch als Schlagschütze fehlbesetzt. Einzig Casey Borer überzeugt als Power-Play-Verteidiger und von dem hatte man das kaum erwarten dürfen. Die Ice Tigers sind herausragend besetzt (und werden das auch noch konstant unter Beweis stellen – davon bin ich überzeugt), es fehlt nur ein spielstarker Verteidiger – und der wird allenfalls noch zu bekommen sein, wenn die NHL-Saison endgültig ausfällt.

Die Wende: Blieb schon im ersten Drittel aus. Pfostenschüsse, Rudelbildungen, gute Schusschancen. Eine entspannte Mannschaft nutzt diese Überlegenheit zu einem beruhigenden 3:1, die angespannten Ice Tigers zu einem 0:1. Das könne nicht mehr lange so bleiben, sagt Tomlinson, dazu seien seine Spieler zu talentiert. Das hat er allerdings schon des öfteren gesagt.

Guter Stil: Tim Conboy war schon einmal unerwarteter Gast in dieser Kategorie. Beim zweiten Gastspiel der Schanzer war er noch besser, weil unauffälliger, wohl dosiert aggressiv, absolut sicher in Defensivarbeit und Aufbau. Sehr guter Einkauf.

Schlechter Stil: Leider hat er in einem seiner letzten Wechsel doch noch gezeigt, dass er Eishockey spielen: Drei mächtige und faire Checks, zwei erstaunliche Pässe. Zuvor kann man dem Kollegen Jennemann nur Recht geben: Weller ist die Kurzhaar-Inkarnation von Ogie Ogelthorpe (das fand ich so schön, dass ich es gleich in meinen Printartikel eingebaut habe – sorry, Flo):

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Weller war auf dem Eis, um einzuschüchtern und nahm dabei billigend in Kauf, seine Gegenspieler zu verletzen. Das passt zu Ingolstadt, aber schon lange nicht mehr in die Deutsche Eishockey-Liga. Wellers Checks waren fast alle late (zu spät), im Falle des Checks gegen Rob Leask sogar grotesk late. Dass seine Attacke gegen Steven Rupprich aber gar nicht geahndet wurde, ist nicht weniger als ein Skandal, und lässt nur eine Aussage zu: Die DEL schützt ihre Spieler nicht. Sehr überflüssiger Einkauf.

Nicht dabei: Vitalij Aab (Schultereckgelenkssprengung), Steven Reinprecht und Evan Kaufmann und immer noch nicht Jame Pollock. Der schwer vermisste Verteidiger wird vielleicht am Freitag in Straubing wieder an der blauen Linie stehen.

Nebenbei: Unterstützt Tyler Weiman im Movember.

Unsung star: Rob Leask ist noch immer der Verteidiger mit der besten PlusMinusStatistik (die zweitbeste insgesamt), hatte heute zwei, drei überzeugende Vorstöße,  erstaunlich wenige Laufduelle verloren und schwache Pässe gespielt. Auch wenn es viele in der Arena anders sehen: Rob Leask ist das geringste Problem der Ice Tigers.

2 Kommentare in “Spiel 18: Die Rückkehr des Ogie

2 Comments
  1. … Rob Leask hat ein Problem, das er härter Passen kann, als manche von unseren Verteidiger schiessen können. Das Rob Leask nicht unser größtes Problem ist, liegt nicht an seiner Stärke, sondern an den schwächen der anderen.

  2. Das Thema Schiedsrichter wird uns in dieser Liga noch ewig verfolgen, zitierfähig wäre hier der Satz “alle fett und dumm” der mir auserordentlich gut gefallen hat und in vielen Fällen auch zutreffend ist.

    Ach wie schön war es doch in Kanada, die sind die Schiedsrichter in OHL und QMJHL einfach nur sehr unauffällig und extrem gut. Und es ist auch gegenseitige Anerkennung und Respekt vorhanden. Keine endlosen Diskussionen nach jedem Pfiff.

    Hier hat ja mittlerweile jeder das Recht mit dem Schiedsrichter alles zu bereden, selbst ohne “c” oder “A”. Einfach nur nervig.

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