Spiel 12: Welche Krise? Diese Krise!

Ein Sieg aus acht Spielen. Sechs von möglichen vierundzwanzig Punkten. Überforderte Leistungsträger. Leichtsinnige, einfache und auf Krawall gebürstete Journalisten würden diesen Zustand als Krise bezeichnen. Differenzierende und behutsame Journalisten auch.

Die Fakten: Die Thomas Sabo Ice Tigers (12 Spiele/17 Punkte, 40:39 Tore, 9.) verlieren mit dem 3:4 (1:1, 2:2, 0:0, 0:0) n. P. gegen den Krefelder EV  (14 Spiele/18 Punkte, 36:39 Tore, 7.) das siebte der letzten acht Spiele und das vierte Heimspiel in Folge.

Zitierfähig, Teil eins: „Ey, du hast doch gepfiffen!“ (Richtig, namenloser Krefelder, hat er, der Ulpi Sicorisch – und zwar ganz klar, bevor der von Yan Stastny hineingestocherte Puck die Linie überquert hat)

Die Statistik: Null Tore. Das ist die bisherige Bilanz von Jason Jaspers. Nun ist der Kanadier als Play-off-Monster, nicht als Early-Season-Monster bekannt. Doch null Tore, das ist dann doch ein wenig wenig. Ein nachlässige Arbeitsauffassung kann man ihm nicht vorwerfen, Jaspers arbeitet hart. Aber Eric Chouinard und ihm fällt die Systemumstellung bislang sichtlich am schwersten. Jaspers setzt aggressiv nach, wenn er es nicht soll und lässt es sein, wenn er es sollte. Vor dem Tor fehlt es ihm an der nötigen Leichtigkeit. Kein Ice Tiger bräuchte ein Erfolgserlebnis dringender.

Die Wende: Patrick Reimer verzieht leicht, Chouinard schwer – nur zwei von vielen verpassten Chancen im ersten Drittel. In der Schussstatistik drückt sich das nicht aus, aber zu diesem Zeitpunkt haben die Ice Tigers letztlich das Spiel verloren. Nur in dieser Phase hat alles gepasst, das Tempo, die Aggressivität, die Präzision. Davon war schon im zweiten Drittel nur noch wenig zu sehen. Sobald die Intensität wieder gestimmt hat, ist ein Tor gefallen – siehe James‘ 3:3.

Zitierfähig, Teil 2: „….“ (Blicke sagen mehr als tausend Worte, Lars Brüggemanns Blick zum Kollegen Sicorschi, sagte: „Ach, Ulpi, das versuchst du jetzt mal selbst zu erklären.“)

Guter Stil: Gefühlt waren es 35 Minuten, tatsächlich wahrscheinlich 28 – was auch daran lag, dass er im ersten Power-Play nicht zwei Minuten auf dem Eis war, weil er schon nach 48 Sekunden getroffen hat. Für Christian Ehrhoff war es wahrscheinlich nicht mehr als eine nette Trainingseinheit.

Schlechter Stil: Die Art, wie sich manche fast alle Ice Tigers-Verteidiger versuchten, sich zu befreien, bzw. das Spiel aufzubauen. Rob Leask, Sven Butenschön, Brett Festerling, Marco Nowak, noch nicht einmal Jame Pollock und auch Casey Borer sind keine Puck-Moving-Defensemen, im Falle Peter Lindlbauers steht die Einschätzung noch aus. Jeder einzelne dieser Spieler hatte/hat herausragende Qualitäten auf DEL-Niveau, der Aufbau, der lange Pass oder das feine Solo zählen nicht dazu. Nun ist es natürlich Tomlinsons Aufgabe, seine Verteidiger zu einem einfacheren Spiel zu überreden. Der Trainer hat bereits angekündigt, dass das auf der Trainings-Agenda ganz oben steht.

Nicht dabei: Vitalij Aab, Evan Kaufmann und Tim Schüle von Beginn, in der Schlussphase durften auch Ryan Bayda, Dusan Frosch und Leo Pföderl nicht mehr mitspielen. Zunächst einmal, weil Tomlinson mit drei Reihen mehr Druck machen wollte – Pföderl, weil er müde war; Frosch, weil er den Trainer nicht hatte überzeugen können; und Bayda, weil er schon beim 3:4 in Hamburg mit einem Fehlpass ein Gegentor eingeleitet hatte und auch gegen Krefeld ein Unsicherheitsfaktor war.

Unsung three stars: Marco Nowak war noch vor zwei Wochen Tomlinsons Problemschüler, gegen Krefeld war er Nürnbergs bester Verteidiger. Das war mitunter nicht allzu schwer. Nowaks Besserung aber darf frustrierten Fans Mut machen und könnte seinen Kollegen ein Vorbild sein. Vielleicht lässt sich diese Rubrik dann auch wieder leichter füllen.