Schwarz macht Spaß

An dieser Stelle soll ein ewiges Gerücht endgültig in die Mythenkiste verräumt werden: Nein, es nicht einfacher über Niederlagen zu schreiben und, nein, es macht auch nicht mehr Spaß. Auch für die neutralsten unter uns Journalisten war das 6:4 ganz in schwarz ein erfreuliches Spiel. Vor allem auch, weil es rundherum so viel zu erfahren gab, dass die Informationen hier und hier gar nicht reingepasst haben.

  • Langjährige Beobachter der Nachspiel-Pressekonferenzen wird wahrscheinlich der Bierbecher aus der vom ungewohnten Klatschen wunden Hand gefallen sein: Da traut sich doch tatsächlich eine Journalistin, auf die Frage von Stadionsprecher Jörg „Dippi“ Dippold, ob es denn noch Fragen gebe, tatsächlich die Hand zu heben. Zu ihrer Verteidigung muss angemerkt werden, dass die Dame aus Düsseldorf angereist, mit den fränkischen Gepflogenheiten also nicht vertraut war, außerdem durfte sie dann trotzdem nichts fragen, weil Jeff Tomlinson längst wusste, was sie würde fragen wollen, der Düsseldorfer Trainer sich die Frage also selbst stellte und kurz darauf beantwortete (Tomlinson: Herr Tomlinson, warum hat heute nicht Bobby Goepfert, sondern Jean-Sebastién Aubin gespielt? Tomlinson: Bobby hat einen kraftraubenden Stil, ich wollte ihm eine Pause gönnen).
  • Derart inspiriert gaben dann, als die Kamera ausgeschaltet und die Übertragung für die potenziellen Zeitungskäufer und Online-User beendet war,  auch Nürnbergs Frager dem Nürnberger Trainer die Chance, ihre Fragen  vorauszuahnen. Nach vier eher wenig erfolgreichen Wochen („einem gefühlten Jahr“) wagte es Peter Draisaitl wahrscheinlich noch nicht, Fragen positiv zu formulieren. Genau das passierte dann aber nach einer ersten Nachfrage zum Spiel in Wolfsburg („Warum wir nach einer hervorragenden, wirklich hervorragenden Trainingswoche und sehr guten 10, 15 Minuten so einbrechen, das war unser Thema am Samstag“). Draisaitl durfte: wieder einmal von der Einstellung Andreas Jenikes schwärmen – „der Andi ist ein Krieger, der kümmert sich nicht um Statistiken, der will immer gewinnen“; die Spielfähigkeit von Tyler Moss beurteilen – „wir haben natürlich noch eine lange Saison vor der Brust, er hatte sich ja schon letzte Woche spielfähig gemeldet, das war mir noch zu früh, aber so langsam sieht es besser aus, soweit ich das beurteilen kann“; die Frage nach möglichen Problemen mit Patrick Ehelechner abblocken – „bei einem Klub wie den Ice Tigers wird natürlich immer viel reininterpretiert, aber was war, bevor ich kam, das ist für mich überhaupt kein Thema“; seinen neuen Kollegen Herbert Hohenberger loben – „er macht einen fantastischen Job, ist der perfekte Mann zum perfekten Zeitpunkt“; sich über die Zuneigung der Fans freuen – „das war heute absolut unglaublich, wenn man sieht, wo wir stehen, ist das wirklich absolut unglaublich“.
  • Apropos: Draisaitl wurde auch gefragt, wie er die Podiumsdiskussion am vergangenen Montag empfand. Seine Antwort: „Das war alles gut, das muss sein. Ich habe ja auch von Beginn an immer gesagt, dass auf keinen Fall passieren darf, dass wir nicht nach außen gehen. Wenn wir unsere Fans verlieren, dann können wir hier gleich einpacken.“
  • In der Ecke des Pressekonferenzraums stand derweil ein junger Mann, der Draisaitl auffallend ähnlich sieht, seit vier Tagen 16 Jahre alt ist, ebenfalls Draisaitl heißt und bislang ganz außergewöhnliche Statistiken vorweisen kann. Leon Draisaitl hatte eine Pause im DNL-Spielplan genutzt, um seinen Vater bei seiner neuen Arbeitsstelle zu besuchen, wurde von Draisaitl senior am Montag schon wieder „entsorgt“ und wird am kommenden Freitag leider nicht gegen seines Vaters ehemaligen Klub und seinen aktuellen Klub auflaufen. „Ein bisschen sehe ich mich selbst in ihm – mit allen positiven und negativen Seiten. Das ist schon ganz witzig.“
  • Und noch etwas zum ewig reizvollen Duell mit der Mannschaft aus der unaussprechlichen Stadt:  Nachdem er die Spieler von der Ehrenrunde zurück in die Kabine geholt hatte, kam mir ein breit lachender Thomas Sabo entgegen. „Und gegen Mannheim“, sagte er glücklich, „gibt’s einen Black Friday.“ Es war nicht das erste Mal, dass er mir so euphorisch begegnet war. So lange ein Hauptrundensieg gegen die Düsseldorfer EG diesen außergewöhnlichen Menschen so sehr begeistern kann, muss man sich um die Zukunft des Nürnberger Profi-Eishockeys keine Sorgen machen.

4 Kommentare in “Schwarz macht Spaß

  1. leider ist es mit dem „schwarzen“ spass spätestens seit gestern Abend vorbei: die Niederlage in Straubing war in meinen Augen das ende der Hoffnung auf eine wende zum besseren. der punktabstand wird – trotz besserer Leistung als am saisonstart – langsam uneinholbar …
    herr funk und Herr draisaitl sollten ab sofort mit der Planung der neuen Saison beginnen und dabei konsequent auf ein neues Konzept setzen, weg von routinierten auslaufmodellen, hin zu einer eher jüngeren, ambitionierteren Mannschaft.
    bleiben sollten meiner Meinung nach: ehelechner, jenike, schule, kemp, pollock, stastny, collins, chouinard, aab, bayda, oblinger und ehliz, der rest sollte sich nach einem neuen team umsehen.

  2. melde mich aus der elternzeit und kann Ihnen, werter Klaus, deshalb ohne gewissenskonflikt vorbehaltlos zustimmen. vielleicht müssen sich die tsit (sowie so manch berichterstatter – zum beispiel: ich) tatsächlich eingestehen, dass sie keineswegs besser sind als es der tabellenstand aussagt. allerdings haben die planungen längst begonnen, alles andere wäre auch bei einem besseren saisonverlauf. und bei einigen der genannten spieler bin ich mir ziemlich sicher, dass sie vielleicht bleiben sollten, aber nicht bleiben wollen.

  3. ja, ist mir schon auch bewusst, das ehelechner, stastny und collins eher schwer bis gar nicht zu halten sind. ich habe eben „wünsch dir was“ gespielt …

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