Spiel 29: Keine Ansteckungsgefahr (Update)

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Engel waren vor der Kabine gelandet. Nicht etwa jene süßen Eishockeyspielerkinder, nein, richtige Engel in roten, offensichtlich zu warmen Kleidern, grauen UGG-Boots  und mit weißen Flügelchen auf dem Rücken. Dann stand da noch diese junge Fernsehfrau mit einer Kamera in der Hand und einem Helm auf dem Kopf, die aus derart großem Abstand auf Leo Pföderl eindialektierte, dass man befürchten musste, auch der junge Tölzer Mauersohn hätte Mumps. Wie skuril das alles war, wird Paul Reinprecht erst zu Hause in Kanada feststellen, wenn er sich das Video ansieht, das er mit seinem iPhone 6 aufgenommen hat. Die Erkenntnis, dass der Eishockey-Gott einen Vater hat, war dann allerdings auch der Höhepunkt dieses Abends. Weiter lesen

Spiel 27: Echt jetzt, Tommer?

Foto: Roland Fengler

Foto: Roland Fengler

Als Jeff Tomlinson schon durch die Türe verschwunden war, stellte er ihm noch eine Frage. Und selbst als den Schreiberlingen um ihn herum danach keine Frage mehr einfallen wollte, machte Tray Tuomie keine Anstalten seinen Arbeitstag zu beenden. Der Trainer der Ice Tigers hatte noch Redebedarf. Vielleicht wartete er auch darauf, dass ihm jemand zuflüsterte, dass doch noch alles gut werden wird. Doch diesen Gefallen konnte ihm nach diesem 1:3 gegen Berlin niemand guten Gewissens erbringen. Weiter lesen

Spiel 26: Interview, welches Interview?

Icetigers Nürnberg - Kölner Haie

Foto: Sportfoto Zink/MaWi

 

Ziemlich genau vor einer Woche habe ich eine eMail an Thomas Sabos Assistentin verfasst, mit der Bitte darum, das autorisierte Interview am Montag bis spätestens 20 Uhr zurück an die Redaktion zu senden. Besser noch wäre 18 Uhr, perfekt 16 Uhr. Um 6.33 Uhr hat sie geantwortet, um 11.31 Uhr war das Interview zurück in der Redaktion und gegen 14 Uhr samt Bild und Überschrift bearbeitet im Redaktionssystem. Vor drei Wochen hatte Christoph Benesch erstmals Kontakt bezüglich eines Interviews aufgenommen, aus verschiedenen Gründen hatte es bis zum 30. November nicht geklappt. Dann ging alles ganz schnell und unkompliziert. Thomas Sabo hatte etwas zu erzählen – und niemand anderes hat in Nürnberg das Recht, das in dieser Klarheit zu tun. Nun lässt sich wunderbar darüber streiten und nicht beweisen, ob und wie seine Aussagen das 4:3 gegen die Kölner Haie beeinflusst haben. Wenn dann, war dieser Einfluss ausschließlich positiv. Derart prächtig wurde man in der Arena bei freigelegter Eisfläche schon lange nicht mehr unterhalten. Weiter lesen

Spiel 24: Die Aumüller-Pirouette

Foto: Sportfoto Zink/MaWi

Foto: Sportfoto Zink/MaWi

Die Zamboni fuhr nach dem herrlich bunten Kids Hockey Day aufs Eis, Martin Jiranek und Tray Tuomie aber wollten nicht weichen. Nürnbergs Sportdirektor und Nürnbergs Cheftrainer unterhielten sich so entspannt, als sei ihnen das nur auf dem Eis möglich, sie lachten, diskutierten, wedelten mit ihren Schlägern, deuteten auf imaginäre Spieler und stellten imaginäre Spielszenen nach. Und um sie herum drehte die Zamboni ihre Kreise. Acht Tage sind seitdem vergangen, am Abend zuvor hatten ihre Ice Tigers im unwirtlichen Wolfsburg immerhin einen Punkt geholt. Es schien, als würden sich Jiranek und Tuomie endlich auf ein paar ruhige Tage mit den Ice Tigers freuen. Tja. Weiter lesen

Spiel 20: #Haskinsgate reloaded

Dienstagabend, 23:29 Uhr: Ehefrau und Kinder schlafen friedlich – in einem anderen Regierungsbezirk. Ich könnte also mit Check Noris, dem aufstrebenden Stern auf dem Nürnberger Hobby-Eishockey-Himmel, über das (kleine) Arena-Eis dilettieren fliegen oder mich ordentlich abschießen (wozu bei meinem Trainingszustand nicht mehr als die Investition in zwei Bier notwendig wäre). Stattdessen sitze ich hier, im Hintergrund läuft Clerks (best hockey movie ever), neben dem Laptop stehen zwei Bier, und muss mir etwas einfallen zu einem Abend, dessen trauriger Höhepunkt die Entdeckung von Michael Eierschmalz nach einer Expedition durch www.eliteprospects.com war und an dessen Ende der Cheftrainer der Ice Tigers Daniel Piechaczek eine Entschuldigung schuldet. Das nennt man Pflichtbewusstsein. Oder Dummheit. Weiter lesen

Spiel 19: Remember Wayne Gretzky!

dutzendChristian Gerum war spät dran. Reemt Pyka, Herberts Vasiljevs und Francois Sills standen wahrscheinlich schon auf dem Eis, da radelte der Verteidiger in seinem weißen Schöller-Trikot und Hochwasserhosen noch den Dutzendteich entlang – langsam aber stetig dem dramtischen Sonnenuntergang über der Kongresshalle entgegen. Mit der schönen Erkenntnis, dass es in Nürnberg noch immer Fans gibt, die in einem Gerum-Trikot zum Eishockey gehen und der vagen Hoffnung auf die Wiederbelebung dieses Gefühls aus den Anfangstagen der DEL, ging dieser Nachmittag los. Er endete mit der Erkenntnis, dass Arbeitssieg nicht immer ein Euphemismus für miesen Sport sein muss. Manchmal ist ein Arbeitssieg tatsächlich ein hart erarbeiteter Sieg. Weiter lesen

Spiel 16: Tiere, Tore, Sensationen

Die Schiedsrichter, die Funktionäre, die Fans, das Spiel an sich, die eigene Wahrnehmung, hab ich schon die Schiedsrichter erwähnt?, Linienrichter, natürlich der Modus, ja, die Playoffs – in der Deutschen Eishockey-Liga wird man von allem und jedem ständig und andauernd enttäuscht. Nur auf Mnnhm, also die Spiele gegen Mnnhm, kann man sich immer verlassen. Auch Spiel 107 bot Checks (zumindest ein paar), Tiere (Adler, Eistiger), Tore (eins zu viel), Fehlentscheidungen (wenige, aber entscheidende) und, jawohl, Sensationen: Weiter lesen

Spiel 14: Tilt!

Ruth aus der 6b hat sich gemeldet. Sie ist glücklich mit einem Sonderschulpädagogen aus Rüsselbach verheiratet, hat zwei wunderbare Kinder, die Oboe und Indiaca spielen und vor allem will sie in diesem Eishockey-Umfeld nicht mehr erwähnt werden. Genau, Ruth, Schluss mit lustig, keine Brausekrieger, kein Husarengolf, kein Reinprechtchen, ja, vor allem kein Reinprechtchen mehr. Jetzt wird wieder verkrampft und viel zu hart auf die Tastatur geklopft. Wir rufen die Krise aus. Jetzt. Sofort. Nach dem nächsten Klick. (Oder vielleicht doch erst in einer Woche) Weiter lesen

Spiel zwölf: Invasion der Brausekrieger

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Es war ein Freitagabend im Oktober, an dem sich der Himmel verfinsterte, die Luft süßlich zu riechen begann, sich dutzende Stierhoden voller Angst um ihren Verlust in den Leistengang zurückzogen und sich die bösen Steiermarker Brausekrieger zum Angriff auf Nürnberg stürzten. Sie griffen mit zwei Kompanien nahezu zeitgleich beide große Sportstätten an – Stadion (Club gegen RB Leipzig) und Arena (Ice Tigers gegen RB München) wurden von den finsteren Söldnern von einer Invasion befallen. Auf der einen Seite wehrten sich elf tapfere, überbezahlte Rumpelfußballer eines vor dem Urknall zu Weltruhm gelangten Traditionsvereins, auf der anderen Seite die mit Helm und Schläger bewaffnete Gruppe eines zu Weltruhm gelangten Schmuckhändlers aus Österreich.
Die Angriffe der Brausekrieger waren heftig, sie verlangten den armen Nürnbergern alles ab, sie kämpften bis zuletzt gegen den bösen Gegner, doch in beiden Fällen konnten sie die Brausekrieger mit einem lauten Zzzziiiiischhhhhhh in die Flucht schlagen; die Fußballer siegten 1:0 und stoppten den weiteren Vormarsch des Retortenvereins, die Thomas Sabo Ice Tigers unterlagen erst im Penaltyschießen, konnten aber ebenfalls die Invasion stoppen und die finsteren Mächte durch den Einsatz von Kohlensäure bis in die Stratosphäre zurückschlagen.
Zumindest beim Eishockey aber hatte die Anwesenheit der Münchner den Ice Tigers auch regelrecht Flügel verliehen. Sie hatten die besseren Chancen, auch das Momentum auf ihrer Seite – nur hinein wollte die Scheibe wieder einmal nicht.
So war es zunächst auch im Penaltyschießen – erst im achten Versuch traf Daniel Sparre gegen Jochen Reimer – und die Brauseritter entführten einen Extrapunkt aus Nürnberg. Ein Spiel mit einer Dramaturgie, wie sie der Stratosphärensprung nicht hatte!

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