Spiel 20: #Haskinsgate reloaded

Dienstagabend, 23:29 Uhr: Ehefrau und Kinder schlafen friedlich – in einem anderen Regierungsbezirk. Ich könnte also mit Check Noris, dem aufstrebenden Stern auf dem Nürnberger Hobby-Eishockey-Himmel, über das (kleine) Arena-Eis dilettieren fliegen oder mich ordentlich abschießen (wozu bei meinem Trainingszustand nicht mehr als die Investition in zwei Bier notwendig wäre). Stattdessen sitze ich hier, im Hintergrund läuft Clerks (best hockey movie ever), neben dem Laptop stehen zwei Bier, und muss mir etwas einfallen zu einem Abend, dessen trauriger Höhepunkt die Entdeckung von Michael Eierschmalz nach einer Expedition durch www.eliteprospects.com war und an dessen Ende der Cheftrainer der Ice Tigers Daniel Piechaczek eine Entschuldigung schuldet. Das nennt man Pflichtbewusstsein. Oder Dummheit. Weiter lesen

Spiel 19: Remember Wayne Gretzky!

dutzendChristian Gerum war spät dran. Reemt Pyka, Herberts Vasiljevs und Francois Sills standen wahrscheinlich schon auf dem Eis, da radelte der Verteidiger in seinem weißen Schöller-Trikot und Hochwasserhosen noch den Dutzendteich entlang – langsam aber stetig dem dramtischen Sonnenuntergang über der Kongresshalle entgegen. Mit der schönen Erkenntnis, dass es in Nürnberg noch immer Fans gibt, die in einem Gerum-Trikot zum Eishockey gehen und der vagen Hoffnung auf die Wiederbelebung dieses Gefühls aus den Anfangstagen der DEL, ging dieser Nachmittag los. Er endete mit der Erkenntnis, dass Arbeitssieg nicht immer ein Euphemismus für miesen Sport sein muss. Manchmal ist ein Arbeitssieg tatsächlich ein hart erarbeiteter Sieg. Weiter lesen

Spiel 16: Tiere, Tore, Sensationen

Die Schiedsrichter, die Funktionäre, die Fans, das Spiel an sich, die eigene Wahrnehmung, hab ich schon die Schiedsrichter erwähnt?, Linienrichter, natürlich der Modus, ja, die Playoffs – in der Deutschen Eishockey-Liga wird man von allem und jedem ständig und andauernd enttäuscht. Nur auf Mnnhm, also die Spiele gegen Mnnhm, kann man sich immer verlassen. Auch Spiel 107 bot Checks (zumindest ein paar), Tiere (Adler, Eistiger), Tore (eins zu viel), Fehlentscheidungen (wenige, aber entscheidende) und, jawohl, Sensationen: Weiter lesen

Spiel 14: Tilt!

Ruth aus der 6b hat sich gemeldet. Sie ist glücklich mit einem Sonderschulpädagogen aus Rüsselbach verheiratet, hat zwei wunderbare Kinder, die Oboe und Indiaca spielen und vor allem will sie in diesem Eishockey-Umfeld nicht mehr erwähnt werden. Genau, Ruth, Schluss mit lustig, keine Brausekrieger, kein Husarengolf, kein Reinprechtchen, ja, vor allem kein Reinprechtchen mehr. Jetzt wird wieder verkrampft und viel zu hart auf die Tastatur geklopft. Wir rufen die Krise aus. Jetzt. Sofort. Nach dem nächsten Klick. (Oder vielleicht doch erst in einer Woche) Weiter lesen

Spiel zwölf: Invasion der Brausekrieger

ufo_2387810b

Es war ein Freitagabend im Oktober, an dem sich der Himmel verfinsterte, die Luft süßlich zu riechen begann, sich dutzende Stierhoden voller Angst um ihren Verlust in den Leistengang zurückzogen und sich die bösen Steiermarker Brausekrieger zum Angriff auf Nürnberg stürzten. Sie griffen mit zwei Kompanien nahezu zeitgleich beide große Sportstätten an – Stadion (Club gegen RB Leipzig) und Arena (Ice Tigers gegen RB München) wurden von den finsteren Söldnern von einer Invasion befallen. Auf der einen Seite wehrten sich elf tapfere, überbezahlte Rumpelfußballer eines vor dem Urknall zu Weltruhm gelangten Traditionsvereins, auf der anderen Seite die mit Helm und Schläger bewaffnete Gruppe eines zu Weltruhm gelangten Schmuckhändlers aus Österreich.
Die Angriffe der Brausekrieger waren heftig, sie verlangten den armen Nürnbergern alles ab, sie kämpften bis zuletzt gegen den bösen Gegner, doch in beiden Fällen konnten sie die Brausekrieger mit einem lauten Zzzziiiiischhhhhhh in die Flucht schlagen; die Fußballer siegten 1:0 und stoppten den weiteren Vormarsch des Retortenvereins, die Thomas Sabo Ice Tigers unterlagen erst im Penaltyschießen, konnten aber ebenfalls die Invasion stoppen und die finsteren Mächte durch den Einsatz von Kohlensäure bis in die Stratosphäre zurückschlagen.
Zumindest beim Eishockey aber hatte die Anwesenheit der Münchner den Ice Tigers auch regelrecht Flügel verliehen. Sie hatten die besseren Chancen, auch das Momentum auf ihrer Seite – nur hinein wollte die Scheibe wieder einmal nicht.
So war es zunächst auch im Penaltyschießen – erst im achten Versuch traf Daniel Sparre gegen Jochen Reimer – und die Brauseritter entführten einen Extrapunkt aus Nürnberg. Ein Spiel mit einer Dramaturgie, wie sie der Stratosphärensprung nicht hatte!

Weiter lesen

Spiel elf: Block 103 spielt Husarengolf

IMG_5073

Kürzlich hab ich den Keller ausgeräumt. Alte, mufflige Kisten geöffnet, die ich bereitszweimal umgezogen habe, aber schon beim letzten Umzug schon lieber gar nicht mehr hineingesehen hatte. Diesmal hab ich es getan. Es war wunderbar. Ich habe in alten Schulheften geblättert (“Some good ideas”, schrieb die Englisch-Lehrerin unter ein Essay, “but serious problems with all aspects of the language. A lot of work has to be done here!”), in Fotoalben geschmökert (ich habe ein Nacktfoto von der unfassbar heißen Ex-Nachbarin gefunden! Wir waren aber beide erst vier und gerade dabei uns an einem heißen Sommerabend am Rasensprenger abzufrischen), auf eine Kiste voller dieser gelber Reclam-Hefte gestoßen (Gottfried Keller – Romeo und Julia auf dem Dorfe, Friedrich Schiller – Kabale und Liebe, Georg Büchner – Woyzeck. Alle von mir einst für den Deutsch-LK gekauft und dann nie aufgeschlagen – Abi-Note später: gerade noch ausreichend), Berge von Kleidung entdeckt (kunstvoller Sombrero, an einem wüsten Abend im Wohnheim aus Versehen halb abgefackelt), Sportgeräte (die Telemark-Ski, mit denen ich am selben Abend mit Sombrero auf dem Kopf im Treppenhaus zwei Stockwerke abgefahren bin) und dann, vor allen Dingen (und deshalb eigentlich nur dieser sehr umständliche, holprige Einstieg – a lot of work has to be done here!): Gesellschaftsspiele. Berge von Gesellschaftsspielen! Weil mein Vater das nette Hobby hatte, jedes Jahr die Kritikerpreis-prämierten Spiele zu kaufen. Meine Idee: Ich bringe zum nächsten Dienstagabendspiel all diese Spiele mit und lasse sie in den Blöcken der Arena verteilen. Hinter dem Tor spielt man dann “Café International”, der Oberrang Mitte Links “Ab die Post!”, die Blöcke 101 bis 103 “Husarengolf”, der Gästeblock “Heuchel und Meuchel” undsoweiter. Und niemandem wäre mehr langweilig. So wie heute, gegen die Straubing Tigers…
Weiter lesen

Spiel neun: Reinprechtchen und die drei Zwerge

26579

Es waren einmal drei Zwerge: der Kaufmann-Zwerg, der Locken-Zwerg und der James-Zwerg. Die lebten in einer Stadt mit einer großen, alten Kaiserburg und einem sehr reichen Mann mit weißen, schulterlangen Haaren und einem Schnauzbart, der ganz viel Schmuck verkaufte und sich, damit ihm nicht langweilig wird, eine Eishockeymannschaft leistete.  Dort drehten auch die drei Zwerge ihre Pirouetten, ihre kleinen Füßchen hatten sie in klitzekleine Schlittschuhe gesteckt und flitzten so ganz wild und schnell übers Eis und ärgerten ganz viele große, kantige, böse Riesen. Eines Tages kaufte ihnen der reiche Mann über Nacht noch einen dritten Freund dazu, damit sie nicht so allein sind. Der Locken-Zwerg war noch kleiner und noch schmächtiger als der Kaufmann- und der James-Zwerg, konnte auch nicht ganz so gut Schlittschuhlaufen wie sie. Dafür Pässe spielen – ooooooh – und Tore schießen –  aaaaaaaah! Die Zwerge machten den reichen Mann mit den weißen Haaren wieder sehr glücklich, wenn es so weiter geht, wird er sicher das ein oder andere Tränchen verdrücken beim Anblick seiner süßen Zwerge. Aber auch den anderen alten Mann machten die Drei sehr glücklich; den, der früher mal ein großer, starker Ritter gewesen ist und mit Drachen und schlimmen Raubrittern gekämpft hat und irgendwann sogar einen wunderschönen (naja) Silberschatz in die Luft recken durfte. Mit der Zeit war der Ritter aber altersmilde geworden. Er wollte nicht mehr mit bösen Drachen kämpfen, dafür reichte die Kraft nicht mehr ganz, aber immerhin dazu, mit halber Kraft das Land der Zwerge so richtig aufzumischen. Man nannte ihn deshalb: Reinprechtchen… Weiter lesen

Spiel acht: Kantersieg gegen Harvestehude

4

Danke sehr. Ursprünglich hatte ich mich ebenso wie der Kollege von der Fachpublikation darauf eingestellt, an dieser Stelle Forenbeiträge besonders ungeduldiger Beobachter zu relativieren und erklären zu müssen, warum das jetzt nach acht Spielen eben noch keine Krise sein kann. Nach so einem 9:1 könnte man jetzt vortrefflich rumsammern – aber deshalb hat sich niemand hierhin verklickt. Stattdessen: Die übliche Lobhudelei, geklaute Gags und eine Entschuldigung an den Discjockey. Weiter lesen

Spiel vier: Opernball mit Michael Weinfurter

bolog

Als Fan der Thomas Sabo Ice Tigers hätte man heute dem fränkischen Dauermotzer in der Reihe dahinter ein 60-minütiges Dauergrinsen schenken, die unberechenbare Gefährlichkeit des Augsburger EV preisen, stolz über die Nummer 28 auf dem Oberarm streichen, mit großer Genugtuung registrieren, dass Franken unter Brücken schlafen, und sich danach noch vier, fünf Kaltschalen genehmigen dürfen. Weil dies aber ein seriöser (hihihi), neutraler (hahaha) und kompetentes (nu is aber gut) Blog sein soll, steht lediglich ein feines Bier aus Gutenstetten neben dem Dienstlaptop. Weiter lesen