Spiel 1: Playoffs, Kleinkind! (Update)

themallEin wunderbares Eishockey-Spiel, ein Hattrick, ein Torrekord, Kampf, Leidenschaft, Rückschläge, Blut. Man nennt es auch: Playoffs (oder vorerst noch Pre- oder Vor- oder Mini-Playoffs). Aber keine weitere Vorrede. Es gibt zu viel zu erzählen über dieses unerwartete 6:2 gegen den siebenmaliger Deutschen Meister. Packen wir es an: (jetzt mit engebetteten Tweets, weniger Fehlern und kleineren Ergänzungen) Weiter lesen

Spiel 52: Als Belohnung in den Welli

tuerRechts steppt der Bär, da sprechen Rene Corbet und Jochen Hecht, Greg Poss und Geoff Ward, da wischt man sich das Meisterkonfetti von den Schultern. Wenn man sich im Innersten des Mannheimers Ufos aber für den linken Gang entscheidet, dann steht man vor dieser Glastür, dahinter wird geweint, dahinter hat Thomas Sabo Hoffnung verbreitet und dahinter wurde heute geklatscht und gejubelt. Nach einem Drittel hilflosem Eishockey, einem Drittel lustlosem Eishockey und einem Drittel anständigem Eishockey. Über dieses 1:3 zum Abschluss der Punkterunde muss man eigentlich nicht viel mehr Worte verlieren als: schnell vergessen. Die Hoffnung aber bleibt, dass man Mitte März wieder an dieser Stelle steht, die Tür offen ist und man “That’s the way we do it” aus der mobilen Disco der Ice Tigers pumpt.

Die Fakten: Die Thomas Sabo Ice Tigers haben ihr ursprüngliches Saisonziel (Platz sechs, mindestens) verfehlt und ihr korrigiertes Saisonziel (Heimrecht in den Mini-, Pre-, Vor-, Trost- und Hoffnungsplayoffs) trotz des 1:3 (0:2, 0:1, 1:0) in Mannheim gerade eben so  erreicht. Platz acht, 80 Punkte, 170 Tore (Platz vier), 145 Gegentreffer (Platz fünf), das ergbibt: Mini-, Pre-, Vor-, trost- und  Hoffnungsplayoffs gegen den siebenmaligen Meister Eisbären Berlin. Wenn Berlin doch noch gegen Iserlohn getroffen hätte, wären die Ice Tigers am Montag in die Hauptstadt geflogen – die Eisbären hätten allerdings tatsächlich die Reisekosten übernommen, damit Nürnberg bereits am Dienstag in der O2-World antritt. Nun wird am Mittwoch in Nürnbergs Versicherungsarena gespielt. Und am Freitag tatsächlich dort, wo für die Eisbären alles begann: im Wellblechpalast im Sportforum Hohenschönhausen. Auch wenn den Welli nur noch Hördler, Baxmann und Rankel als pulsierende Playoffstätte kennen, kennen alles Eisbären das 4695-Mann-Stadion (die Eisbären haben 4825 Dauerkarten verkauft) als Heimstätte, schließlich trainieren sie dort jeden Tag.

Die Tore:

(via Laola1.tv)

Die Statistik: Noch mehr Zahlen – allerdings aus guten Gründen. 52 Spiele, 21 Tore, 46 Vorlagen, 67 Punkte, plus 24, 10 Power-Play-Tore, 122 Schüsse, 17,2 Prozent Trefferquote. Und noch mehr Zahlen. Steven Reinprecht hat sechs Mal vier Punkte in einem Spiel gesammelt, er hat zweimal fünf Spiele in Folge gesammelt. Er hat gezaubert, uns verzaubert und wenn er sagt, sagt, dass es ihm eine große Ehre sei, erstmals Topscorer der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) mit all ihren “wirklich, wirklich talentierten Spielern” zu sein, dann mag das sogar aufrichtig gemeint sein. Tatsache aber ist, dass es uns eine Ehre ist, diesem Künstler noch eine weitere Saison zusehen zu dürfen. Seinen Kollegen geht es ohrenscheinlich nicht anders. Als sich andeutete, dass Kevin Clark beim 0:9 in Ingolstadt wahrscheinlich keine Punkte gesammelt hat, wurde hinter der Tür der Gästekabine geklatscht und gejubelt.

Aus der Mixed Zone, eins: “Reino ist Topscorer. Sie feiern gerade den ersten 50 Jahre alten Topscorer der DEL.” (Martin Jiranek auf die Frage, warum die Stimmung in der Ice Tigers-Kabine nach dem 1:3 gar so ausgelassen war)

Aus der Mixed Zone, zwei: “Ich habe schon gehört, dass wir in deren alter Scheune antreten und dass es dort ziemlich laut sein soll. Interessant.” (Steven Reinprecht über Spiel zwei im Berliner Wellblechpalast)

The Good: Nürnberg hat sich gesteigert, von Drittel zu Drittel. Gut, Mannheim ist auch von Drittel zu Drittel schwächer geworden. Die Ice Tigers werden das trotzdem in ihrem Sinne verwenden. Ebenso ihren Sieg – im letzten Drittel dieses einseitigen Spiels.Tatsächlich war es nur eine anständige Leistung in den letzten 20 Minuten. Konsequentes Penalty Killing bei der doppelten Unterzahl/Fünf-Minuten-Strafe, ein (von Yasin Ehliz vorbereiteter) Treffer vom unvermeidlichen Kyle Klubertanz, beinahe so etwas wie ein Schlussspurt. Das war okay, nicht mehr. Aber vielleicht gibt es den Ice Tigers ja tatsächlich so etwas wie ein gutes Gefühl für Mittwoch.

The Bad: “Flat” seien seine Spieler gewesen, sagte Martin Jiranek. Platt. Und dass man schon mal in Mannheim verlieren könne. Das ist zweifelsohne richtig. Trotzdem durfte man sich fragen, wo und wann genau die Ice Tigers den Schwung von drei überzeugenden Spielen gelassen hatten? Wo war das Tempo? Wo war der Wille, jede Chance zu nutzen, eventuell doch noch ins Viertelfinale zu rutschen? Die Ice Tigers haben eine Minute etwas Druck gemacht, dann früh das 0:1 kassiert und sich damit aufgegeben. Vielleicht war aber auch nicht nur Steven Reinprecht angeschlagen in die Partie gegangen. Der DEL-Topscorer hatte am Samstag nicht trainiert, wirkte danach sehr blass und antwortete tatsächlich sehr verschnupft.

And the Ugly: Die Coaches salbadern seit Wochen von Playoff-Intensität, auf manche Spiele mag das auch zugetroffen haben. Gerumpelt aber hat es nur selten. Körperlich wird es aber wohl erst ab Mittwoch. Und wenn Marco Nowak davon spricht, dass die Eisbären “keine sehr soften Spieler” im Aufgebot zu haben, dann klingt das ein wenig so, als würden die Ice Tigers selbst bezweifeln, dass sie hart genug für die Playoffs sind. David Printz wurde für einen Check zwar erneut hart bestraft. Recht viel mehr Hits habe ich allerdings nicht zählen können. Im Gegensatz zum Vorjahr haben die Ice Tigers mit Marius Möchel, Alex Oblinger und Derek Joslin zwar drei robustere Spieler mehr im Line-up – wenn es aber hart auf hart kommt, werden wieder Reimer, Reinprecht und Ehliz auf dem Eis stehen. Und neuerdings auch noch Locke. Tja.

Unsung three Stars:

Ich hätte ihn ansprechen können, ja, müssen. Der ansonsten sehr auskunftsfreudige, denkbar elaborierte, zudem freundliche Andreas Jenike aber hat so traurig ausgesehen, als er seine Tasche in den Bus wuchtete, das ich es unterlassen habe (um dann mit dem bestens gelaunten Jochen Reimer zu reden). Da dachte man noch kürzlich, dass die bislang so unglückliche Karriere Jenikes endlich wieder Schwung aufnimmt. Und dann das. Ein Shutout von Reimer, der Martin Jiranek die Möglichkeit gegeben hat, sich für den Kapitänsbruder zu entscheiden. Und 40 Minuten, in denen Jenike von den Ice Tigers ziemlich alleine gelassen wurde. “Jochen hatte die stärkere Mannschaft vor sich”, sagte Jiranek. Trotzdem hatte er sich da längst für Reimer entscheiden. Eine Überraschung ist das nicht. Die Ice Tigers haben Reimer nach Nürnberg geholt, damit er in den Playoffs den Unterschied ausmacht. Dieser Zeitpunkt ist jetzt gekommen. Das ändert aber nichts daran, dass Jenike in Mannheim der beste Ice Tiger war.

Tja, die DEL und die Statistik… Wo kann man denn nun nachsehen, ob Kyle Klubertanz einen neuen Rekord aufgestellt hat? Als sich Jame Pollock und Sascha Goc das Duell um einen neuen Verteidigertorerekord geliefert hatten, habe ich noch keine eigenen Statistiken geführt, kann also nicht mehr nachprüfen, ob Nürnbergs einzig wahre Nummer acht (wenn man mal von Ian Young absieht) auch schon einmal in fünf aufeinanderfolgenden Spielen getroffen hat. Klubertanz wird Fredrik Eriksson als Spielmacher nicht ersetzen können, aber sein präziser Schuss, egal wie hart, ist Liga-Spitze. Und im Rennen um den derbsten Playoff-Bart liegt er jetzt schon (wie alle anderen Nürnberger Schummler auch).

Und sonst? Ist mir Marco Nowak nur einmal negativ aufgefallen, dafür mehrmals positiv, Hat Marcus Weber sehr solide gespielt. Für eine Bold-Schrift aber reicht das allein natürlich nicht aus.

Aus der Mixed Zone, zwei: “Jetzt geht es um alles.” (Jochen Reimer)

Spiel 51: Marienerscheinung am Hamburger Tor

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Gerade eben habe ich im Printtext noch geschrieben, dass man sie doch bitte sein lassen soll, all diese Rechnereien gegen wen es nun gehen könnte und wann und wo. Das begeisternde 5:0 (0:0, 3:0, 2:0) über die Hamburg Freezers und das Ausgleichstor der Ingolstädter neun Sekunden vor dem Ende in Iserlohn samt des 4:3-Sieges im Penaltyschießen sorgen aber nun genau dafür, dass ich wie wild Kopfrechne, gegen wen es nun wann und wo gehen könnte.  Weiter lesen

Spiel 49: Der perfekte Sturm

JaspsLiegt das an der fränkischen Herkunft oder wenigstens an der Sozialisation im Umfeld fränkischer Sportfans, dass man am Ende dieses stimmungsvollen, teils mitreissenden Abends auf die Tabelle blickt und nur daran denken kann, dass der ganze Spaß in genau zwei Wochen schon wieder vorbei sein kann? Wie eigentlich alle überzeugenden Siege der Ice Tigers erinnert auch dieses 6:1 gegen den keinesfalls schwachen Meister zunächst einmal daran, was bislang mit mehr Konstanz und, ja, einem effizienteren System möglich gewesen wäre. Aber natürlich hat dieser Erfolg spielerischer Überlegenheit auch gezeigt, was trotz allem immer noch möglich ist. Weiter lesen

Spiel 46: TJ? JT? Hauptsache Wyman!

Foto: Zink/MaWi

Foto: Zink/MaWi

James Thomas Wyman hat ein Tor geschossen, ein schönes obendrein. Doch, das war es nicht. Dieser Eintrag wird nicht erst in den ersten Stunden des Tags danach freigeschaltet, sondern komplett in den ersten Stunden des Tags danach geschrieben. Doch, das ist es auch nicht. Und, natürlich war es das auch noch nicht  im Playoff-Rennen mit diesem netten 6:3 gegen Krefeld für die Ice Tigers. Wir können ja rechnen. Mit dem gestrigen Abend hat sich etwas anderes geändert. Mit Eishockey hat das nur am Rande etwas zu tun (weshalb wir das erst am Ende ansprechen wollen). Weiter lesen

Spiel 44: Diese Aumüllers

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Echt jetzt, Roland? (Foto: Sportfoto Zink/Matthias Winter)

 

Mal ehrlich, kann sich hier irgendjemand an Spiel gegen Straubing erinnern, das nicht nur spannend war, sondern vielleicht sogar, naja, gut. Irgendwelche bemerkenswerten Szenen, an die man sich auch nach dem Viertelfinal-Aus gegen Mannburg oder Wolfsheim erinnert? An schönes Eishockey? Große Kunst? Geile Tore? Spaß? Ich kann es nicht (jene vier Treffer von Eric Chouinard hab’ ich nicht live gesehen). Spiele gegen Straubing bleiben einem nur in Erinnerung, wenn dazu noch Roland und drei weitere Aumüllers auflaufen. Das war heute leider nicht anders. Weiter lesen

Spiel 42: Die Antwort auf alle Fragen

Spiel 42 – so oder so ähnlich trägt das Yasin Ehliz auf seinem Rücken. So oder so ähnlich ist die 42 die Antwort auf alle Fragen (hä? Douglas Adams, sagt Kollege Böhm, Per Anhalter durch die Galaxis, sagt Kollege Jennemann) – Klar, dass er dieses Spiel zu seinem machen musste, dass er diesen Lederpuck (was ist das eigentlich genau?) vom Fernsehen überreicht bekam, dass ihn Joachim Meyer zum First Star machte, dass ihn die drei Nürnberger Journalisten nach der Partie glorifizierende Fragen stellten, aber nichts anderes bekamen, als lässige, coole Antworten von diesem coolen, lässigen First Star des Abends. “Schulter verletzt bei der Rolle?” – Nein, alles noch dran zum Glück. “Coole Stimmung heute?” – Ja, wenn man gewinnt, ist die Stimmung immer gut. “Habt ihr die anderen Spiele beobachtet?” – Nein, wir haben gar nichts gesehen. “Alle haben für Euch gespielt” – Das freut mich.
Danke, Yasin, für diesen Sieg über die Kölner Haie. “Jetzt sind die Play-Offs wieder machbar”, sagt er zur Verabschiedung. Ja, wenn man gegen Iserlohn gewinnt, beim nächsten Sechs-Punkte-Spiel.  Weiter lesen

Spiel 40: Instant Karma

Jetzt ist schon wieder was passiert. Das hätte schon am Freitag hier stehen sollen, hat es aber nicht, weil große Themen, aber kleines Hirn. Und zu mehr als zwei Sätzen im Wolf Haas-Stil reicht es jetzt auch nicht mehr. Zu viel Eishockey an diesem Wochenende. Zwei sehr erfreuliche Spiel, ein erstaunlich blutleeres Winter Game, das aber hier keine Rolle spielen soll. Hier soll es nur um DAS TOR VON DAVID PRINTZ gehen (und um das 5:4 gegen Rasenball München und um zwei, drei weitere erfreuliche Entwicklungen). Weiter lesen

Spiel 39: Da ist die Leidenschaft

Der Nachtbus kommt erst in zwanzig Minuten. Und weil es hinter dem Vorbau des Königpalasts gerade so lauschig ist (zwölf Grad, Nieselregen, bisschen Orkan), fange ich eben schon einmal das Tippen an. Oder, vielleicht noch einmal zurück zum Anfang. Das 6:3 der Ice Tigers in Krefeld ist gerade einmal eine halbe Stunde Geschichte (EINE HALBE STUNDE!) und hier fährt kein Bus mehr? GEHT’S NOCH? Ruhig, Brauner. Es gibt mal wieder Schönes zu berichten. Packen wir es an. Weiter lesen

Spiel 38: Danke, Mnnhm!

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Wir 4, die 0 – echt jetzt? (Foto: Tina Fengler)

 

Eishockey ist dieses allumfassende, immer wieder überraschende Spiel, das wir auch deshalb lieben, weil es anders ist, rasanter, härter, unbarmherziger. Nur hatte man das alles in Nürnberg zuletzt schon mal vergessen können. Erst dieses wunderbare 4:0 hat uns wieder daran erinnert. Warum immer erst die Adler Mnnhm in die Stadt kommen müssen, um die Thomas Sabo Ice Tigers zu einer solch ungeahnten Leistung zu motivieren, diese Frage zählt weiterhin zu den großen Mysterien dieser schönsten aller Sportarten. Und das ist, vielen Dank, Wowi, gut so. Weiter lesen